Hoch hinaus

versailles
Schloss in Versailles, 17. Jahrhundert, Jules Hardouin-Mansart, Ansicht vom Park.
Im mittleren Teil der Fassade befand sich über dem Erdgeschoss eine Terrasse. Diese verschwand mit der Errichtung des Spiegelsaals. Die Fassade wurde geschlossen.

Was tun, wenn einem der Ort, an dem man lebt, so sehr gefällt, dass man gar nicht mehr weg möchte, die Wohnung aber zu klein ist? Ludwig XIV. erging es so. Er hatte das ehemalige Jagdschloss seines Vaters in Versailles zu seinem Wohnsitz erkoren und Paris verlassen. Doch mit zunehmendem Hofstaat wurde auch immer mehr Raum benötigt. Es musste angebaut werden. Das Schloss wuchs und es kam der Moment, in dem die zum Park gelegene Terrasse oberhalb des Erdgeschosses verschwand. Es wurde aufgestockt, der Spiegelsaal entstand. Hoch hinaus weiterlesen

Rhythmus im Blut

Firmenübernahmen ziehen oft strukturelle Änderungen nach sich. Auch private Krankenhäuser sind davor nicht gefeit. Für das Hospital im niederländischen Oldenzaal bedeutete die Übernahme durch das Medisch Spectrum Twente einen tiefgreifenden Wandel. Es war die Aufgabe von IAA Architecten aus Enschede, diesen Wandel zu begleiten und in ein neues Gebäudekonzept zu überführen. Rhythmus im Blut weiterlesen

Transparenz kommt aus dem Morgenland

Viele Elemente der traditionellen islamischen Architektur entwickelten sich als Reaktion auf gleißendes Licht und hohe Tagestemperaturen. So verkleiden dekorative Holzgitter die Fensteröffnungen, um vor der Sonneneinstrahlung zu schützen und die Innenräume kühl zu halten. Diese Holzgitter werden auch Maschrabiyya genannt. Dank ihrer war es der muslimischen Damenwelt möglich, das Straßenleben zu beobachten, ohne sich um eine Verschleierung sorgen zu müssen. Transparenz kommt aus dem Morgenland weiterlesen

vertikal – horizontal – diagonal

bauakademie klein
Berliner Bauakademie, 1836, Architekt: Karl Friedrich Schinkel

Fassaden werden durch Ihre Öffnungen, die verwendeten Materialien und die Fugen dazwischen strukturiert. Über viele Jahrhunderte waren Fensteröffnungen vertikal. Fassaden mit einer vertikalen Strukturierung waren in früheren Epochen bedingt durch die Tragfähigkeit der verwendeten Baustoffe, welche keine allzu breiten Öffnungen zuließ. Dies änderte sich mit der Verwendung von Stahl und Beton. Fensteröffnungen wurden breiter und dies führte in logischer Konsequenz zu Fassaden ohne opaken Teil, ganz aus Glas, ganz aus Öffnung bestehend. Aber auch Glaselemente sind nicht grenzenlos. Die Anordnung der Fugen blieb weiterhin essentiell. vertikal – horizontal – diagonal weiterlesen

sichtbar – nicht sichtbar

Postsparkasse Zeichnung klein 1
Österreichischen Postsparkasse, Wien, 1906; Architekt: Otto Wagner

Die Schwerkraft auf unserem Planeten zwingt uns, bei der Planung von Fassadenelementen früher oder später über deren Befestigung nachzudenken. Dies ist wichtig, denn nicht nur Form und Format, Material und Oberflächenbeschaffenheit, Rasterung und Linienführung bestimmen das Erscheinungsbild einer Fassade, auch die Frage, wie die einzelnen Elemente befestigt werden, muss beantwortet werden. Bei Otto Wagners Postsparkasse in Wien halten vermeintliche Nieten die Marmorplatten. Sie haben hier aber keine tragende Funktion außer der eines Ornaments, welches die Fassade gliedert. Anders hingegen beim Archäologischen Museum in Frankfurt am Main von Josef Paul Kleihues. Hier sind in der Mitte der Natursteinplatten tatsächlich Abstandshalter angebracht. Sie haben nun sowohl eine technische als auch eine ästhetische Funktion. sichtbar – nicht sichtbar weiterlesen

Architektur mit Recht auf Anonymität

Zeitgemäße Wohnkonzepte setzen gerne auf die Gemeinschaft und ein Miteinander der Generationen. Ein Architekturbüro aus Zürich geht einen anderen Weg. Es stellt dem Leben in der Gemeinschaft das Recht auf Anonymität zur Seite. Das Mietwohnhaus MinMax schafft zwar auch einen Rahmen für gemeinschaftliches Wohnen, verpflichtet aber nicht dazu. Edelaar Mosayebi Inderbitzin Architekten sehen Anonymität als integralen Bestandteil des städtischen Lebens. Architektur mit Recht auf Anonymität weiterlesen

Kleiderwahl Teil 2

hôtel solvay sw klein
Hôtel Solvay, 1903, Brüssel, Architekt: Victor Horta
Kombination unterschiedlicher Materialien an der Fassade

Komplexität und Widerspruch lautet ein wichtiges Werk der Architekturtheorie von Robert Venturi. Er beschreibt hierin, dass es immer dann interessant wird, wenn ein regelmäßiges Muster oder Raster durchbrochen wird. Die Gebäudehülle funktioniert hierbei nach den gleichen Gesetzen und Zusammenhängen wie die Kleidung, die wir täglich tragen. Den Anlässen entsprechend kombinieren wir verschieden Farben und Webmuster miteinander und akzentuieren unsere Garderobe durch ein zusätzliches Accessoire, einen Kontrapunkt. Kleiderwahl Teil 2 weiterlesen

Die Alchemie von Licht und Schatten

Licht und Schatten stehen oft beispielhaft für den Gegensatz von Gut und Böse. Aus ihrem Aufeinandertreffen entwickelt sich höchste Spannung. Auch in der Architektur ist das Spiel mit Licht und Schatten ein elementarer Bestandteil. Doch der Architekt ist kein Drehbuchautor. Er hat nicht die Aufgabe, dem Licht zum Sieg zu verhelfen. Seine Kunst ist es, Licht und Schatten zu einem harmonischen Ganzen zu vereinen. Die Alchemie von Licht und Schatten weiterlesen

Kleiderwahl Teil 1

Bei der Kleidung, die wir täglich tragen, kombinieren wir Farben, Muster und Materialien miteinander. Für diese Auswahl spielen nicht nur die Wetterbedingungen eine Rolle, sondern auch der jeweilige Anlass. So treten wir dann kontrastreich oder dezent in Erscheinung, stechen aus der Masse heraus oder gehen in ihr auf. Bei einer Gebäudehülle ist dies nicht anders. Neben technischen Zwängen gilt es auch, die der Bauaufgabe angemessene Wirkung zu beachten. Dabei werden Materialien miteinander kombiniert und in Beziehung zueinander gebracht.

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Zollverein-Kubus, Essen, 2006; SANAA
Die Fassade besteht nur aus Beton- und Glasflächen

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Kind der Liebe in Zink gehüllt

Das kleine Künstleratelier an der schottischen Küste von Kintyre fügt sich unauffällig in die Weite der Landschaft ein. Erst bei näherer Betrachtung treten die eigenwilligen Details in Erscheinung. Die Architekten von Studio Weave aus London beschwören eine mystische Stimmung herauf und nennen ihr Werk prosaisch „ein Kind der Liebe von Fels und Heimat“. Kind der Liebe in Zink gehüllt weiterlesen