Wie sollte ein Hotel aussehen, das sich von Bäumen umgeben optimal in ein natürliches Umfeld einfügt? Für die Betreiber des Hochseilgartens K1 gab es da nur eine passende Antwort. Jedes Hotelzimmer sollte als eigenes kleines Baumhaus gestaltet werden. Die praktische Umsetzung dieser Idee zeigt das Baumhaushotel K1 am Hochseilgarten in der Nähe von Odenthal im Bergischen Land. Mitten in der Natur bieten alle Baumhäuser einen dezent-luxuriösen Komfort. „Echo“ ist eines dieser Baumhäuser. Es besitzt eine Hülle, die mit Schindeln aus QUARTZ-ZINC bekleidet ist.

Die Bäume geben die Form vor
Jedes Baumhaus wurde mit einer eigenen, charakteristischen Form ausgestattet und für die Außenhülle jedes Baumhauses wurde ein anderes Material verwendet. Sie alle tragen sprechende Namen wie „Loop“, „Treeangle“ oder „Oak“. „Echo“ ist jedoch das einzige Baumhaus mit einer kugelförmigen Gestaltung. Der teilweise 100 Jahre alte Buchenbestand am ausgewählten Standort ließ kein anderes Volumen in der gewünschten Größe zu. Die Stämme und Äste der Bäume setzten hier den Rahmen. Bei der Konzeption der Anlage galt die Maxime: „Die Baumhäuser müssen sich der Natur anpassen und nicht umgekehrt.“ Dabei stellte die Kugelform besondere Anforderungen, denn die Umsetzung als geodätische Kuppel erforderte ein Material für die Außenhülle, das sich in Form von sehr großen dreieckigen Schindeln herstellen und flexibel verarbeiten ließ.

Wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen
Als Planer von „Echo“ zeichnet Dr.-Ing. Simon Loske verantwortlich. Sein Baumhaus erhebt sich etwa drei Meter über dem Boden. Über eine Wendeltreppe gelangt man auf die Terrasse und zum Eingang. Dieser führt in einen lichtdurchfluteten Raum mit großen Panoramafenstern auf der Frontseite. Sie lenken den Blick aus dem Wald auf die umliegenden Felder. Seitlich hinter der Glasfront ist eine freistehende Badewanne platziert. Toilette und Waschbecken befinden sich in einem kleinen, abgetrennten Raum und bieten etwas mehr Privatsphäre. Mit einem Durchmesser von 6,30 m und einer Nutzfläche von 20 m² bietet das Baumhaus auf zwei Etagen Platz für zwei Personen. Wie alle Baumhäuser des K1 ist auch „Echo“ mit einer Fußbodenheizung ausgestattet, da das Hotel ganzjährig in Betrieb ist.

Hochseilakrobatik
Das Baumhaus „Echo“ scheint fast zwischen den Ästen zu schweben, denn es gibt keine Stützen zum Boden. Das gesamte Haus wird von Stahlseilen getragen, die an den Bäumen verankert sind. Zwei Buchen tragen dabei die Hauptlast. Zusätzliche Stahlseile sind an weiteren Bäumen befestigt und dienen der Stabilisierung, ohne eine tragende Funktion zu übernehmen. Ein Versorgungsschacht, durch den Wasser- und Elektrizitätsleitungen geführt werden, stellt neben dem Treppenaufgang die einzige Verbindung zum Boden dar. Die sturmsichere Aufhängung der Baumhäuser wurde an der Fakultät für Architektur und Bauingenieurwesen der Technischen Universität Dortmund entwickelt. Das Befestigungssystem lässt sich nachjustieren und flexibel an das Wachstum der Bäume anpassen, wenn diese sich durch hinzukommende Jahresringe verbreitern. Dafür wird eine Kombination aus sehr großen Schrauben und Adaptersystemen genutzt. Die Adapter lassen sich austauschen, wenn die Breite der Bäume dies erfordert. Die Höhe der Verankerung verändert sich durch das Wachstum jedoch nicht mehr. Zwar wächst der Baumstamm insgesamt in die Höhe, aber dort wo die Verankerungen befestigt sind, führt das Wachstum nur noch in die Breite.

Ohne gesunde Bäume geht es nicht
Die Verankerungen werden minimalinvasiv an den Stämmen befestigt und mit Harz versiegelt, damit keine Bakterien und Pilze in die Bäume eindringen können. Die Gesundheit der Bäume unterliegt einer ständigen Überwachung, nicht nur zum Schutz der Hotelgäste, sondern auch um die Sicherheit im benachbarten Hochseilgarten zu gewährleisten. In der Trockenzeit werden die Bäume sogar durch ein unterirdisches Bewässerungssystem unterstützt. Überhaupt stellte das Bauen im Ökosystem Wald eine besondere Herausforderung dar. So wurden während der Bauphase keine Bagger eingesetzt, um den Waldboden zu schonen. Das gesamte Baumaterial wurde per Hand in den Wald getragen und dann mithilfe von Kettenzügen montiert.

Eine Kugel aus Dreiecken
„Echo“ ist als geodätische Kuppel gestaltet. Eine solche Kuppel setzt sich in der Regel aus gleichseitigen Dreiecken zusammen. Dies stellt die einfachste Möglichkeit dar, eine kugelförmige Kuppel aus ebenen Einzelflächen zusammenzusetzen. Für die gleichseitigen Dreiecke kamen rund 200 m² der Oberflächenqualität QUARTZ-ZINC in Form von sehr großen VMZINC-Schindeln zum Einsatz. Auf den ersten Blick scheinen diese Dreiecke zwar größtenteils das gleiche Format zu haben, doch in der Praxis waren 13 leicht unterschiedliche Schindelformen erforderlich. Je nach Lage auf der Kuppel weisen sie zudem unterschiedliche Falzungen auf. Ausgeführt wurde die detailreiche und anspruchsvolle Arbeit durch das Unternehmen Andrzej Bejnarowicz aus Polen. Während der Bauarbeiten nutzten die Verarbeiter im oberen Bereich der Kuppel sogar die Logistik des Hochseilgartens und montierten die Schindeln mithilfe entsprechender Kletterausrüstungen. An der höchsten Stelle endet die Kuppel in einer von unten kaum sichtbaren Pyramide aus Zink, denn hier hätte eine vollständige Eindeckung mit Schindeln nicht die erforderliche Mindestneigung für ein wetterfestes Dach erreicht.

Sondergröße gab den Ausschlag
Die Außenhülle aus vorbewittertem QUARTZ-ZINC wurde auf einer hinterlüfteten, vollflächigen Unterkonstruktion aus Holzwerkstoffplatten verlegt. Die großen Schindeln sind eine Sonderanfertigung und benötigen Vormaterial mit einer Breite von bis zu 1250 mm. Die Fähigkeit der Marke VMZINC, derart große Abmessungen zu fertigen, war ein Grund für die Wahl von QUARTZ-ZINC. Denn nur so ließ sich „Echo“ in der gewünschten Form als geodätische Kuppel mit einer Außenhülle aus großen, gleichseitigen Dreiecken realisieren.

Guido Wollenberg
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