Firstlose Wiedergeburt

Das belgische Waasmunster ist eine kleine Gemeinde zwischen Antwerpen und Gent in der flämischen Provinz Ostflandern. Umgeben von Feldern präsentiert der Ort selbst sich mit einem grünen Antlitz. Waldreiche Grundstücke bestimmen das Bild. Fast wirkt es, als seien die Häuser mit großzügigen Abständen direkt in eine weitläufige Parklandschaft hineingebaut worden. JUMA Architects erhielten den Auftrag, in diesem Umfeld ein aufgegebenes Haus aus dem Jahr 1987 zu neuem Leben zu erwecken.

Rote Dächer und gekappte Firste

Zu den prägendsten Neuerungen, die das Architekturbüro umgesetzt hat, zählt die Verwendung der VMZINC-Oberfläche PIGMENTO rot als Bekleidung für die weit herunterreichenden Dachflächen. Auch an den Außenwänden findet sich das rote Zink, hier allerdings in einer Kombination mit einer Wandbekleidung aus cremefarbenen Ziegeln. Besonders auffällig sind zudem die fehlenden Dachfirste. Der obere Bereich der Firste wurde deutlich sichtbar abgetrennt, so dass den Dächern nun die Spitzen fehlen. Das Ergebnis dieser tiefgreifenden Umgestaltung ist eine umfassende und zeitgemäße Transformation des gesamten Erscheinungsbildes, welche die Vorteile des inmitten von hoch aufragenden Bäumen gelegenen Hauses gut zur Geltung bringt.

Der First des Hauptgebäudes wurde abgetrennt. Das neue Nebengebäude läuft ebenfalls in einem stumpfen Dach aus.

Stilsichere Erweiterungen

Durch den Umbau sind einige luxuriöse Details hinzugekommen. So wurde das bestehende Haus an der ursprünglichen Eingangsseite erweitert. Im Erdgeschoss bietet diese Erweiterung Platz für eine große Garage mit drei Stellplätzen, im ersten Stockwerk finden ein großes Schlafzimmer samt Ankleideraum und Badezimmer Platz. Vor dem alten Haupthaus wurde ein weiteres Nebengebäude errichtet, dessen Dachflächen und Außenwänden sind ebenfalls mit Zink und Ziegeln bekleidet. Es dient als zusätzliche Garage mit weiteren Stellplätzen. Nähert man sich nun dem Anwesen, verbirgt das Nebengebäude den Eingang erst einmal vor den Blicken. Besucherinnen und Besucher werden jedoch durch eine vorgegebene und eindeutige Linienführung am Nebengebäude entlang unter einer Art Laubengang hindurch zur Eingangstür geführt.

Auch der Eingangsbereich zeigt den bestimmenden Materialmix aus PIGMENTO rot und hellen Ziegeln

Ein Pool für Sonnenanbeter

Die Außenanlagen wurden um eine Terrasse und einen Swimmingpool erweitert. Der Pool thront etwas erhöht auf einem kleinen Sockel, so dass er über den Tag verteilt möglichst viel Sonnenlicht einfängt. Umliegende Bäume, die den Poolbereich bei etwas tiefer stehender Sonne abschatten, regten das Architekturbüro zu dieser Lösung an. Ebenfalls neu ist ein Pavillon an der Seite des Pools. Mit einer hellen Ziegelrückwand und einem flachen Dach mit rotem Zink für Attika und Deckenbekleidung greift er ebenfalls den neuen Farb- und Materialmix auf. Der Pavillon ermöglicht es den Bewohnern, sich möglichst viel Zeit wettergeschützt im Freien aufzuhalten.

Auch der neue Pavillon am Pool hüllt sich in Zink und Ziegel

Einheitliches Erscheinungsbild bis in den Garten

Alte und neu hinzugekommene Gebäudeteile orientieren sich an einem einheitlichen Spiel mit Linien, Farben und Materialien und fügen sich nahtlos in das architektonische Gesamtkonzept ein. So treten die einzelnen Teile des Ensembles untereinander und mit der grünen Umgebung in einen harmonischen visuellen Dialog. Die hellen Ziegel, die an einigen Bereichen der Außenwände als Fassadenbekleidung dienen, finden sich auch an den Innenwänden des Hauses wieder. Als wiederkehrendes Stilelement schaffen sie eine optische Verbindung von der Innen- zur Außenwelt. Im Inneren des Hauses sorgt ein Spiel mit unterschiedlichen Raumhöhen für Abwechselung, Sichtachsen führen den Blick durch große raumhohe Stahlrahmenfenster ins Grüne. Eine besondere Stellung nimmt das auf den Pool blickende Wohnzimmer ein. Der Raum reicht mit einer offenen Decke bis ins obere Stockwerk hinein. Das großzügige Raumgefühl wird durch Fenster, die ebenfalls die reguläre Geschosshöhe überschreiten, unterstützt.

JUMA Architects benutzen die Sichtachsen hinaus ins Grüne als wichtiges Gestaltungsmittel bei der Erneuerung des Hauses

Rote Außenhülle vor grüner Kulisse

Einen großen Anteil an der Verwandlung des Hauses haben die neuen Dächer in der vorbewitterten VMZINC-Oberflächenvariante PIGMENTO rot. Das Zink ersetzt eine alte Dacheindeckung mit Schieferplatten. JUMA Architects entschieden sich für die rote PIGMENTO-Variante, da diese ihrer Meinung nach im Zusammenspiel mit den Grüntönen der bewaldeten Umgebung besonders gut zur Geltung kommt. Dabei wurde PIGMENTO nicht nur für die Dachflächen verwendet, sondern auch zur Bekleidung der Giebelseiten der Gebäude. Das vorbewitterte, rote Zink wurde beispielsweise an der Frontseite des neuen Nebengebäudes bis deutlich unterhalb der Linie der Dachtraufen hinuntergezogen und vergrößert so den roten Anteil an den Gebäudefassaden. Die abgetrennten Dachfirste sind ein weiteres Stilelement, durch das sich das erneuerte Gebäudeensemble nicht nur von seiner ursprünglichen Gestaltung, sondern auch von den anderen Häusern in Waasmunster abhebt.

Vorbewittertes PIGMENTO rot bedeckt nicht nur die lang heruntergezogenen Dachflächen, sondern auch einen Teil der Fassaden an den Giebelseiten

Rhythmus aus Zink

Neben dem Zink auf dem Dach und an den Giebelseiten findet sich PIGMENTO rot auch noch an einigen anderen Bereichen. So wurde es genutzt, um einen kleinen Laubengang über einem Teil des Weges zur Eingangstür anzulegen. Auch die Untersichten und die Attika des Pavillons sind mit dem gleichen Material bekleidet. Insgesamt montierte die belgischen Firma Platteau & Partners rund 520 m² Zink. So gut wie alle Zinkflächen am Gebäude sind in Stehfalztechnik verlegt. Dadurch werden die schattenwerfenden Falze zu einem weiteren Element, das über viele Gebäudeteile hinweg eine Verbindung erzeugt und für einen durchgehenden Rhythmus sorgt.

Auch die Decke des Pavillons setzt auf Zink

Zeitgemäße Neugestaltung

JUMA Architects ist es mit dem Mix aus abgetrennten Dachfirsten, großen Dach- und Giebelflächen aus Zink sowie hellen Ziegeln in den unteren Wandbereichen gelungen, die Formensprache der Architektur zu erneuern und dabei klar und einfach zu halten. Gleichzeitig wird das Gebäude mit seinen außergewöhnlichen Details dem gehobenen Anspruch der Bauherren mehr als gerecht.

Die Stehfalztechnik sorgt für einen durchgehenden Rhythmus an Dächern und Fassaden

Guido Wollenberg

Bildrechte: Annick Vernimmen

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