Licht und Schatten

Das Greenspace ist eines der auffälligsten Bauwerke im Wissenschafts- und Technologiepark von Gijón. Dabei wirkt der Quader, der das eigentliche Gebäudevolumen bildet, eher unauffällig, schon fast asketisch. Eine vorgelagerte Pergola verwandelt diesen Eindruck jedoch ins Gegenteil. Sie erstreckt sich an der Frontseite fast über die gesamte Breite des Gebäudes und steigt im schrägen Winkel vom Boden bis zum Dach an. Dieses sehr präsente und ungewöhnliche Gestaltungselement zeugt vom wahren Charakter des Greenspace: Durch die erfolgreiche Verbindung von Architektur und Photovoltaik wurde hier eine hohe Energieeffizienz erreicht. Das Netto-Null-Energie-Gebäude erzeugt mehr Energie als es verbraucht.

Energetischer Wegbereiter

Für die Planung des Greenspace waren das Architekturbüro EMASE Arquitectura aus Madrid und das Ingenieurbüro SVR Ingenieros aus der nahegelegenen Provinzhauptstadt Oviedo verantwortlich. Neben einer klar definierten Nachhaltigkeitsstrategie setzten sie sich das Ziel, mit einer hohen Aufenthaltsqualität ein attraktives Arbeitsumfeld für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schaffen. Denn Gijón ist nicht nur eine Universitäts-, Hafen- und Industriestadt, sondern auch das wirtschaftliche Zentrum von Asturien. Der Wissenschafts- und Technologiepark der Stadt beherbergt neben vielen Unternehmen aus dem Digital- und Technologiesektor auch Forschungs- und Entwicklungszentren und bietet eine enge Anbindung an den benachbarten Campus der Universität. Das Greenspace in der nordspanischen Stadt Gijón war das erste emissionsfreie Bürogebäude in der Provinz Asturien.

Der Zugang zum Gebäude führt mittig unter der Pergola hindurch. So wird jedem Besucher die Bedeutung der Photovoltaik direkt vor Augen geführt.

Doppelte Funktion

Die aus einem rötlichen Brettschichtholz hergestellte Pergola prägt das Erscheinungsbild des Gebäudes und kennzeichnet gleichzeitig den Haupteingang. Der Zugang führt mittig unter der Pergola hindurch direkt auf den Eingang zu. Auf der nach Süden ausgerichteten Holzstruktur sind zahlreiche Solarmodule befestigt. Damit übernimmt die Pergola eine wichtige Funktion bei der Umwandlung des Sonnenlichts in Energie und schützt gleichzeitig das Innere durch eine wirksame Verschattung vor direkter Sonneneinstrahlung.

Im Schatten unter der Pergola befindet sich vor dem Untergeschoss ein kleiner Platz

Über einen Steg ins Erdgeschoss

Das Bürogebäude, in dem sich kleine Unternehmen und Start-ups angesiedelt haben, verfügt über drei oberirdische Stockwerke und ein Untergeschoss. Auf der Gebäudevorderseite, unter der Pergola verborgen, erstreckt sich vor dem Untergeschoss ein offener Bereich. Der Weg zum Haupteingang im Erdgeschoss überquert diesen Bereich wie ein Steg auf Pfeilern gestützt. Von dem Platz im Untergrund aus öffnen sich nach links und rechts die Zugänge zu einigen Tiefgaragenplätzen. Das Gebäude hat eine Nutzfläche von 1.488 m², von denen 1.024 m² als Bürofläche für rund 50 Arbeitsplätze vorgesehen sind.

Fließender Übergang von innen nach außen: Das rötliche Holz bildet ein verbindendes Element

Gut aufgestellt

Das rötliche Holz der Pergola findet sich als Stilelement im Inneren wieder. An den Fensterlaibungen und den schmalen Wandflächen um die südlichen Fenster herum bringt es Farbe und Wärme in den Raum. Gleichzeitig verschwimmen durch das beidseitig verwendete Material die Grenzen zwischen innen und außen. Trotz der Verschattung durch die Pergola ist es im Innenraum hell, denn das Gebäude ist so ausgerichtet, dass das natürliche Licht optimal genutzt werden kann. Auf der sonnenfreien Nordseite gibt es große, blendfreie Fensterflächen, während die Gebäudefassaden nach Westen und Osten weitgehend blickdicht ausgeführt sind. Die Ausrichtung in Nord-Süd-Richtung dient nicht nur einer möglichst homogenen Beleuchtung, sondern sie stellt auch den thermischen Komfort sicher. Die Pergola verhindert ein Aufheizen durch starke Sonneneinstrahlung aus südlicher Richtung. Durch den Verzicht auf weitere Fensterflächen an der Ost- und Westseite, ergab sich zudem die Möglichkeit, hier zusätzliche Photovoltaikflächen zu installieren.

Die Pergola sorgt für Licht und Schatten im Gebäude

Auch passiv lässt sich sparen

Die positive Energiebilanz des Greenspace basiert auf einem gut austarierten Zusammenspiel von hocheffizienten aktiven Systemen und passiven Maßnahmen. So kann der geringe Eigenbedarf des Gebäudes vollständig durch die selbsterzeugte Energie gedeckt werden. Je nach Außentemperatur und Sonneneinstrahlung steht auch überschüssige Energie zur Verfügung, die ins Stromnetz eingespeist werden kann. Zu den passiven Maßnahmen, die zu dieser Effizienz beitragen, zählen unter anderem eine gute Wärmedämmung, die optimale Ausnutzung von natürlicher Beleuchtung und Belüftung, eine entsprechende Ausrichtung des Gebäudes sowie eine hinterlüftete Fassade und ein begrüntes Dach.

Aktive Sparmaßnahmen

Zu den aktiven Systemen, welche die Energieeffizienz steigern, zählt unter anderem die Photovoltaikanlage, die sich über große Flächen an drei Gebäudeseiten erstreckt. Hinzu kommen eine Klimatisierung, die auf einem Wärmepumpensystem beruht, eine thermische Bauteilaktivierung mit einem in die Betonböden und -decken integrierten Rohrnetzsystem sowie eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Diese Systeme werden anhand von Echtzeitdaten überwacht und gesteuert. Die Daten liefern Hinweise zur Effizienz von Klimatisierung und Beleuchtung sowie zum Energiegewinn und -verbrauch. Bei all diesen Maßnahmen und Systemen wurde von vornherein Wert auf die Auswahl von regionalen und schadstofffreien Produkten gelegt.

Nachhaltiges Gesamtpaket

Eine weitere energetische Besonderheit bietet die Aufzugsanlage, die sich im Inneren eines spiralförmigen Treppenhauses befindet. Der Aufzug ist mit einen Batteriespeicher ausgestattet. Geht es abwärts, gewinnt der Aufzug Energie zurück, die er wieder in die Batterie einspeist. Ein voller Speicher reicht für 100 Auf- und Abfahrten ohne neue Energiezufuhr.

Nach oben wird das Gebäude durch ein begrüntes Dach abgeschlossen. Es besitzt ein Regenwasser-Auffangbecken mit einem 60.000 Liter fassenden Tank. Die umfangreichen Speichermöglichkeiten erlauben es, das Regenwasser sowohl zur Bewässerung als auch – nach einer entsprechenden Aufbereitung – für die Toilettenspülung zu nutzen.

Solarmodule und QUARTZ-ZINC in Stehfalztechnik teilen die Flächen an der West- und Ostfassade untereinander auf. Fenster gibt es hier nicht.

Zink für die Außenhülle

Stahlbetonstützen, auf denen massive Betondecken ruhen, bilden den tragenden Kern von Greenspace. Die Wände des Gebäudes sind in Holzrahmenbauweise mit einer Innen- und Außendämmung ausgeführt. Die Außenhülle wurde als vorgehängte hinterlüftete Fassade umgesetzt. Dafür wurden Zinkscharen in der VMZINC Oberflächenqualität QUARTZ-ZINC in Stehfalztechnik verlegt. Die Zinkbleche werden durch eine Trennmembran von OSB-3-Platten getrennt, welche wiederum auf einer verzinkten Stahlunterkonstruktion verschraubt sind. An einem kleineren Bereich an der nordöstlichen Ecke des Gebäudes wurde perforiertes Zink über die gesamte Gebäudehöhe verwendet. Dahinter befinden sich die Sanitärräume des Gebäudes. Diese lassen sich, hinter der Perforierung verborgen, zusätzlich belüften und mit Tageslicht versorgen.

Gesunde Mischung

Insgesamt wurden auf der Außenhülle rund 720 m² QUARTZ-ZINC verlegt. Dabei nehmen die auf der West- und Ostseite des Gebäudes installierten Solarmodule einen großen Teil der Fassadenflächen ein. Sie wurden direkt auf der Unterkonstruktion befestigt und die Zinkscharen in diesem Bereich ausgespart. Nur an den Rändern überlappen sich Zinkhülle und Solarmodule etwas. Das hellgraue QUARTZ-ZINC kommt sehr nah an die natürliche Patina von walzblankem Zink heran. Aufgrund der Vorbewitterung verändert sich die Oberfläche unter Witterungseinfluss nur noch sehr gering. Die Kombination aus Solarmodulen und Zinkflächen wird also auch farblich über eine lange Zeit Bestand haben.

Im Vergleich zur auffälligen Pergola wirkt das QUARTZ-ZINC besonders dezent und zurückhaltend

Goldener Vorreiter

Aufgrund seiner hohen Energieeffizienz war das Greenspace in der spanischen Region Asturien das erste Gebäude, das eine LEED-Zertifizierung in Gold erhalten hat. Gleichzeitig wurde es in die Energieeffizienzklasse A eingestuft. Die Zertifizierungen bestätigen die gelungene Umsetzung durch EMASE Arquitectura und SVR Ingenieros. Von Beginn des Projekts an standen nachhaltige Aspekte wie hohe Energieeffizienz, Nutzung erneuerbarer Energien, Raumluftqualität, Wassereffizienz oder minimale Umweltbelastung im Fokus. In einem sorgfältigen Auswahlprozess wurden sowohl regionale als auch besonders schadstofffreie Materialien bevorzugt, auch die Langlebigkeit und die Recyclingfähigkeit spielten hier eine Rolle. Die VMZINC-Oberfläche verkörpert all das in diesem Projekt eher dezent im Hintergrund. Sie lässt viel Raum für die Pergola und die großflächig eingesetzten Solarmodule und bildet gleichzeitig eine Klammer, die alles zusammenhält.

Das Greenspace war das erste Gebäude in der spanischen Region Asturien, das eine LEED-Zertifizierung in Gold erhielt

Guido Wollenberg

Bildrechte: Tania Crespo

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