Reihung mit Rhythmus

Das Prinzip der Reihung ist ein essenzielles Gestaltungselement in der Architektur, welches bereits in der Antike verwendet wurde. Ein sehr bekanntes Beispiel ist der Parthenon auf der Akropolis. Dieser Tempel besitzt eine dorische Säulenordnung, die auch bekannt ist für ihren „Eckkonflikt“. Dies bedeutet, dass der Abstand der Säulen nicht immer gleich ist. Die Säulen an den Ecken des Gebäudes sind aus gestalterischen Zwängen jeweils etwas eingerückt. Dadurch ergibt sich aber auch eine Veränderung im Rhythmus der Säulenreihen. Sie erhalten auf sehr subtile Weise einen Anfang und ein Ende.

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Sittin‘ on the dock of the bay

Schon seit vielen Jahrhunderten ist der Fluss Tyne ein wichtiger Handelsweg für Kohleexporte aus dem Nord-Westen Englands. An seinem nördlichen Ufer, direkt an der Mündung in die Nordsee, liegt der Ort North Shields. Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich hier das Schiffsbau-Unternehmen Smith’s Dock angesiedelt. Heute haben die Werften von Smith’s Dock ihren Betrieb eingestellt und auf dem ehemaligen Werftgelände, wo einst viele Schiffe vom Stapel gelaufen sind und Tausende beschäftigt waren, stehen zwei große neue Wohnhäuser. Sie sind von Kopf bis Fuß in rotes Zink gehüllt. Sittin‘ on the dock of the bay weiterlesen

Vertikale Gärten

Die Hauptaufgabe von Dächern und Fassaden stellt der Schutz vor Wind und Wetter dar. Über die Zeit wurden dabei je nach geografischer Region, gestalterischen Ansprüchen und regionalen Vorkommen die verschiedensten Werkstoffe probiert. Eine sehr interessante Art der Bekleidung lässt sich immer noch an manchen Stellen im Norden Europas und auf Island finden: Gras.

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Vom Winde verweht

Ein brausender Wind diente schon als Ausgangspunkt für so manche künstlerische Betätigung. Die Architektur, eher auf dauerhafte und feste Formen abonniert, fällt einem da nicht als Erstes ein. Doch über den Mont-Royal fegt ein Wind, der seine Spuren sogar in der Baukunst hinterlassen hat. Das Atelier Urban Face fand hier die Inspiration zu drei kleinen Kioskgebäuden. Die Kiosques du Mont-Royal dienen der Erschließung eines Erholungsgebietes auf dem Hausberg der kanadischen Stadt Montreal. Sie liegen inmitten des Mont-Royal Parks und sind ein beeindruckendes Beispiel für die Mikroarchitektur, die wir vor einiger Zeit in diesem Blog vorgestellt haben. Durch ihre zurückhaltenden Ausmaße wahren sie die Integrität des Berges. Mit großen Glasflächen an den schmalen Seiten fügen sie sich offen in die Landschaft ein. Vom Winde verweht weiterlesen

Mit 360° in die Vergangenheit

Ein außergewöhnliches Gemälde führt die Besucher des Panorama Museums in Bursa auf eine Zeitreise in das frühe 14. Jahrhundert. Das Gemälde bebildert die Einnahme der Stadt, ein prägendes Ereignis der Gründungsepoche des osmanischen Reiches. Die Panorama-Idee wird im Museum der Millionenstadt südlich von Istanbul sehr umfassend umgesetzt. Mit einem kompletten 360° Blickwinkel schmückt das Gemälde die Innenwände einer Kuppel mit einem Durchmesser von 42 Metern. 11 Künstler haben gemeinsam an dem Werk gearbeitet. Es zeigt rund 10.000 menschliche und tierische Figuren bei diversen Beschäftigungen außerhalb der Stadtmauern von Bursa. Mit 360° in die Vergangenheit weiterlesen

Mikroarchitektur

Computer klein

Googelt man den Begriff Mikroarchitektur, so stößt man recht schnell auf viele Einträge über Rechnerstrukturen aus dem Bereich der IT. Wir wollen an dieser Stelle eine andere Art von Mikroarchitektur betrachten, die innerhalb des Bauwesens. Es geht um die vielen kleinen Gebäude, denen wir täglich begegnen und oft kaum Beachtung schenken: Wartehäuschen, Kioske, Bushaltestellen, Ticketschalter… Gebäude, die noch weitaus kleiner sind als ein Einfamilienhaus. Mikroarchitektur weiterlesen

Zuckerstopp: Wohnraum statt Süßstoff

Miss Liberty, das Wahrzeichen der Vereinigten Staaten, hat Patina angesetzt. Doch der grüne Schimmer tut der Beliebtheit keinen Abbruch. Im Gegenteil, seit vielen Jahrzehnten ist die Freiheitsstatue eine der Hauptattraktionen von New York, Symbol für die „freie Welt“. Unter der grünen Patina verbirgt sich eine Oberfläche aus Metall, Kupfer in diesem Fall. SHoP Architects aus New York ließen sich durch den natürlichen Alterungsprozess der Freiheitstatue zu dem Wohngebäude 325 Kent in Brooklyn inspirieren. Es liegt am Ufer des East River auf dem Gelände einer alten Zucker-Raffinerie nahe der Williamsburg Bridge. Zuckerstopp: Wohnraum statt Süßstoff weiterlesen

Weniger ist mehr: die Kunst des Verzichts

Normalerweise vereinfachen sich die Dinge, wenn man etwas weglässt. Doch manchmal gibt der Prozess des Weglassens den Blick auf eine neue Ebene frei. Oder er fügt einer einfachen Fläche Struktur hinzu. Auch einer glatten Fassade lassen sich so neue Seiten abgewinnen. Mit einem Material, das selbst in perforierter Ausführung stabil bleibt, lassen sich außergewöhnliche Wirkungen an der Außenhülle erzielen. Den Beweis dafür liefert der estnische Architekt Kalle Vellevoog vom Architekturbüro JVR Architecture mit perforierten Zinkpaneelen am Hochhaus Novira Plaza in der Stadt Tallinn. Weniger ist mehr: die Kunst des Verzichts weiterlesen

Das prägende Erlebnis

Gebäude lassen sich aus verschiedenen Entfernungen betrachten. Nähern wir uns einem Bauwerk, so geben uns verschiedene Maßstäbe unterschiedliche Informationen. Sie lassen uns Dinge entdecken, zuvor Bekanntes neu interpretieren. Da ist zunächst das Gebäude als Ganzes. Es reagiert auf seine Umgebung durch seine Form, seine Farbe, seine Materialität. Nähern wir uns weiter, werden immer mehr Details sichtbar, schließlich treten feinste Muster und Strukturen hervor. Stehen wir direkt vor einer Wand können wir dann beispielsweise die Maserung von Hölzern oder von Natursteinen erkennen.

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Die Landesgalerie bittet zum Tanz

Die „Tänzerin von Krems“, so wird die neue Kunststätte der Stadt an der Donau häufig genannt. Jeder Schritt um die Landesgalerie Niederösterreich herum eröffnet eine weitere Ansicht auf die mehrfach gewölbten Fassaden. Mal scheint das Gebäude fast in sich zusammen zu sinken, mal spielt es seine imposante, hoch aufragende Präsenz aus. Das Volumen entzieht sich immer wieder einer umfassenden Einschätzung. Um die nordwestliche Gebäudekante als Achse herum verdrehen und verformen sich die Seitenflächen, das Bauwerk windet sich um sich selbst und verjüngt sich zusätzlich nach oben. Die kreisende Tänzerin lässt ihr Kleid fliegen. Die Landesgalerie bittet zum Tanz weiterlesen