Ein Krankenhaus zeigt Profil

Bellinzona, der Hauptort des Schweizer Kantons Tessin, liegt nur wenige Kilometer vom nördlichen Ufer des Lago Maggiore entfernt. Von hier aus führen Wege, die seit Jahrtausenden von strategischer Bedeutung sind, weiter nach Norden hinauf zum Gotthard- und zum San-Bernardino-Pass. Sie machten Bellinzona zu einem wichtigen Tor zwischen dem Alpenraum und der norditalienischen Lombardei mit der nahegelegenen Metropole Mailand. Gleichzeitig ist Bellinzona mit dem Regionalkrankenhaus San Giovanni ein zentraler Gesundheitsstandort in der Region.

Das San-Giovanni-Krankenhaus erhielt einen komplett neuen Anbau für moderne Operationssäle

Die Suche nach Ersatzteilen hat ein Ende

Die Zahl der im San-Giovanni-Krankenhaus ausgeführten Operationen ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Das brachte die mittlerweile veralteten Operationssäle an ihre Grenzen. Über die letzten Jahre hinweg wurden sie nicht mehr grundlegend renoviert oder modernisiert. Es gab sogar Schwierigkeiten, Ersatzteile für die teils 30 Jahre alte Einrichtung zu beschaffen und Wartungsarbeiten auszuführen. Deshalb entschied man sich für den Bau eines komplett neuen Gebäudeteils mit insgesamt sechs Operationssälen. Und das obwohl parallel dazu ein neues Krankenhaus in Planung ist. Dessen Fertigstellung liegt nach bisherigen Schätzungen jedoch noch mindestens zehn Jahre in der Zukunft.

Das helle AZENGAR harmoniert gut mit den bestehenden Gebäudeteilen

Vollwertig in jeder Hinsicht

Aufgrund des langen Zeithorizonts für ein neues Krankenhaus wurde der Block mit den Operationssälen nicht als Provisorium, sondern als vollwertige Erweiterung des bestehenden Krankenhauses geplant. Der neue Bereich legt großen Wert auf hohe Qualität – sowohl was die technische Ausstattung betrifft als auch in Hinblick auf die architektonische Gestaltung. Die sechs Operationssäle sind mit modernsten Geräten und integrierten digitalen Systemen ausgestattet und nach höchsten Sicherheits- und Funktionalitätsstandards entworfen. Dies soll effektivere, präzisere und nicht zuletzt sicherere Operationen gewährleisten, als sie bisher möglich waren. Bei der gesamten Infrastruktur wurde auf redundante Strukturen geachtet. Diese umfassen unter anderem die Stromversorgung, die Klimaanlage und die Anschlüsse für medizinische Gase. Der Anbau hat zudem das EcoEntreprise-Zertifikat erhalten, ein Schweizer Referenzzertifikat für nachhaltige Entwicklung.

In der Außenhülle aus Zink befinden sich nur wenige Fensteröffnungen. Die Operationssäle erfordern eine kontrollierte Beleuchtung

Zink-Quader mit Führungsanspruch

Der vom ortsansässigen Architekturbüro Orsi & Associati gestaltete neue Gebäudeteil wurde vor dem eigentlichen Hauptgebäude platziert. Hier ruht ein großer Quader auf einem kleineren ebenfalls quaderförmigen Unterbau. Auf den ersten Blick wird die führende Rolle des oberen Quaders deutlich. Er ist mit der hellen und gleichzeitig matten VMZINC-Oberfläche AZENGAR bekleidet. Der kleinere Unterbau präsentiert sich zurückhaltend in weiß gestrichenem Beton.

In die Zinkhülle sind perforierte Bereiche integriert. Sie lassen ein gedämpftes Licht zu den dahinterliegenden Fensteröffnungen passieren

Perforiertes Zink steht Fenstern zur Seite

Für die skulptural anmutende Außenhülle des oberen Quaders wurden insgesamt rund 900 m² AZENGAR verlegt. Das gravierte Zink fügt sich gut in die überwiegend hellen Außenseiten der angrenzenden Krankenhausgebäude ein. In die Zinkhülle der frei stehenden Fassaden des neuen Blocks ist auf jeder Seite nur ein kleines Fenster integriert. Die Rahmen dieser leicht aus der Fassadenlinie auskragenden Fenster sind ebenfalls mit Zink bekleidet. Neben diesen deutlich sichtbaren Öffnungen in der Fassade finden sich auf Fensterhöhe auch Bereiche mit perforiertem Zink. Das Lochmuster ist fein gewählt und fällt erst auf den zweiten Blick auf. Hinter diesen Perforierungen lassen weitere Fensterflächen ein gedämpftes Licht herein. Die Operationssäle selbst verzichten in der Regel auf Tageslicht, um ständig eine kontrollierte Licht- und Beleuchtungssituation zu gewährleisten.

Die lokal hergestellten Zinkkassetten aus AZENGAR ragen über die obere Gebäudekante hinaus

Profil im Doppelpack

Die Zinkkassetten bilden das Hauptgestaltungselement der Außenhülle des neuen Blocks. Sie werden hoch hinaufgeführt und verdecken so bewusst die Attika des Gebäudes. Dabei bilden sie markante Wellenlinien aus und verlaufen ohne horizontale Fugen über die gesamte Geschosshöhe. Die lokal gefertigten Zinkkassetten weisen eine ungewöhnliche und aufwendige Profilausbildung auf. Dabei wurden die geschosshohen Kassetten in zwei Hauptformen fertiggestellt. Die erste Variante kombiniert einen konkaven und einen konvexen Schwung, die nahtlos ineinander übergehen. Die zweite Variante besteht aus zwei konkaven Flächen, die an der Stelle, an der sie zusammenstoßen, einen kleinen Falz ausbilden. Durch die Kombination dieser Kassetten entsteht an der Fassade eine abwechslungsreiche Struktur, auf der die unterschiedlichen Formen für einen variablen Schattenwurf sorgen. Diese Struktur lockert die recht kompakte Geometrie des Gebäudevolumens auf und harmoniert gut mit dem Beton am Sockel und sowie den umliegenden Krankenhausgebäuden.

Die unkonventionellen Profilausbildungen der Kassetten lockern die kompakte Gebäudegeometrie auf und sorgen für ein abwechslungsreiches Erscheinungsbild der Fassade

Innen und außen hochmodern

Die neuen Operationssäle bedeuten für das San-Giovanni-Krankenhaus eine deutliche Verbesserung der Patientenversorgung und der Arbeitsbedingungen des medizinischen Personals. Schon von außen ist dank der auffälligen Zinkfassade des neuen Gebäudeteils zu erkennen, dass es sich hier um eine hochmoderne medizinische Einrichtung handelt. Die aufwendige Gestaltung weist auf die Modernisierung der Operationssäle und die Verbesserung der medizinischen Versorgung der Bevölkerung hin. Zudem kündigt sie den für die Zukunft geplanten Neubau des Krankenhauses an. Das gravierte AZENGAR, das ebenso wie die vorbewitterten VMZINC-Oberflächen eine hochwertige Anmutung mit Langlebigkeit, Wartungsfreundlichkeit und einer hohen Nachhaltigkeit verbindet, empfiehlt sich schon einmal anschaulich für zukünftigen Planungen.

Die neuen Operationssäle verbessern die medizinische Versorgung in Bellinzona und der umliegenden Region

Guido Wollenberg

Bildrechte: Paul Kozlowski

Kommentar verfassen