Mit Schwung in Richtung Westen

Auf ihrem fast 1000 Kilometer langen Weg von Belarus bis zur Ostsee fließt die Memel auch an der Stadt Kaunas vorbei. Die zweitgrößte Stadt Litauens zählt zu den wichtigsten wirtschaftlichen Zentren des Landes. Hier haben sich viele – auch internationale – Unternehmen niedergelassen. Besonders die Textilindustrie ist in der Region historisch verwurzelt. Auch das Unternehmen „Kauno baldai“ hat seinen Stammsitz in Kaunas, direkt am Ufer der Memel. Der Name „Kauno baldai“ bedeutet „Möbel aus Kaunas“ und das Unternehmen hat sich seit fast 150 Jahren auf Polstermöbel spezialisiert. Allerdings reicht das Einzugsgebiet weit über Litauen hinaus. In Skandinavien, den Benelux-Staaten und in Deutschland herrscht eine starke Nachfrage nach den Polstermöbeln von Kauno baldai. Besonders in Deutschland hat das Unternehmen seinen Kundenstamm kontinuierlich ausgebaut und das Produktsortiment gezielt an die spezifischen Anforderungen des Marktes angepasst. Um sich für weiteres Wachstum zu wappnen, hat das Unternehmen nun ein neues Werk gebaut.

Reibungsloser Betrieb trotz Neubau

Die Unternehmensleitung entschied sich, das neue Werk auf dem bestehenden Firmengelände zu errichten. Der aktuelle Standort bietet den Mitarbeitenden eine gute Verkehrsanbindung und verfügte zudem über genügend freie Flächen für einen Neubau. Die räumliche Nähe begünstigte auch eine schnelle Verlagerung der Fertigungsprozesse in das neue Werk. Dieses ersetzt nun ein Fabrikgebäude, das noch aus der Sowjetzeit stammte. Während der Baumaßnahmen wurden die Abläufe so gesteuert, dass die Herstellung der Polstermöbel weitgehend reibungslos weiterlaufen konnte. Das ausführende Generalunternehmen YIT Lietuva machte dies durch eine intensive Kommunikation mit dem Auftraggeber und durch den Einsatz moderner Bauweisen möglich.

Luftaufnahme eines modernen Gebäudes mit großen Fenstern und einem flachen Dach, umgeben von Bäumen und einem Fluss im Hintergrund.
Die neue Fabrik wurde am bestehenden Standort errichtet

Die neue Fabrik schlägt einen Bogen in die Zukunft

Das neue Fabrikgebäude von Kauno baldai wurde von den Architekten Gediminas Jurevičius und Tomas Vaičiulis vom Architekturstudio Gediminas Jurevičius entworfen. Das 28.000 m² große Gebäude ist keine typische, rein funktionale Industriearchitektur, stattdessen strahlt es auf moderne Weise Qualität, Umweltbewusstsein und einen künstlerischen Anspruch aus. Dies wird besonders durch einen überdimensionalen Bogen aus grünem Zink deutlich, der die Frontseite des zentralen Verwaltungs- und Ausstellungsbereichs überspannt und einfasst. Die geschwungene, plastische Formgebung des Eingangsbereichs vermittelt den Eindruck einer zielgerichteten Bewegung und einer Orientierung auf eine aussichtsreiche Zukunft. Gleichzeitig erfüllt das Gebäude die Anforderungen der höchsten litauischen Energieeffizienzklasse A++. Das Unternehmen setzt auf eigene Photovoltaik-Anlagen und Wärmepumpen und bezieht darüber hinaus ausschließlich Ökostrom aus erneuerbaren Energien.

Moderne Architektur eines Gebäudes mit großen Fensterflächen und mehreren Fahnen, darunter die Europaflagge und die litauische Flagge. Das Gebäude befindet sich in einer städtischen Umgebung mit einem Parkplatz.

Ein Bogen aus Zink umschließt den Gebäudeteil, in dem sich die Büros und Ausstellungsbereiche befinden

Umschlossen von Zink

Den Großteil des Neubaus bilden die Produktionsstätten und Lagerflächen. Ergänzt werden diese durch eine 1.400 m² große Ausstellungshalle und Büroflächen mit 1.200 m². Neben einer Kantine verfügt das Gebäude sogar über einen Fitnessraum, einen Bereich für die Kinder der Angestellten sowie einen Schulungsraum. Der Zugang zu den Ausstellungsflächen und zum Verwaltungsbereich erfolgt durch den Zinkbogen, der die Besucherinnen und Besucher auf der Vorderseite empfängt. Eine kleinere, ähnlich geformte Variante des Bogens befindet sich auf der Rückseite des Gebäudes in unmittelbarer Nähe zum Ufer der Memel. So wird der zentrale Gebäudebereich durch die beiden Zinkbögen eingerahmt.

Grüne Akzente

Der vordere Zinkbogen schafft eine Art Vordach vor dem großzügig verglasten, zentralen Gebäudebereich, der seinerseits auf der Frontseite schon einige Meter aus dem restlichen Gebäude herausragt. Auch die Zinkfassade, die diesen Bereich seitlich umgibt, ist mehrere Meter breit. Die Fensterflächen liegen etwas zurückgezogen innerhalb der Bogenkonstruktion. Produktion und Lager sind hingegen etwas nach hinten versetzt und treten mit ihrer anthrazitfarbenen Oberfläche auch optisch in den Hintergrund. Auf diesem dunklen Hintergrund wurde das das leuchtend grüne Kauno baldai-Logo prominent platziert, sodass es sich umso stärker abhebt. Der Bogen in der VMZINC-Oberflächenqualität PIGMENTO grün greift die Logofarbe in entsättigter und zurückhaltender Weise wieder auf. Doch dies war nicht der eigentliche Grund, aus dem PIGMENTO grün verwendet wurde.

Moderne Gebäudefassade mit großen Glasfenstern und einzigartiger Architektur, umgeben von Bäumen und einem Parkplatz.
Die Zinkfassade verleiht dem zentralen Gebäudebereich eine markante, geschwungene Linienführung. Sie soll den Eindruck einer zielgerichteten Bewegung hinein in eine aussichtsreiche Zukunft vermitteln

Gut gerundet

Die beiden Architekten entschieden sich hauptsächlich für die vorbewitterte grüne Zink-Variante, da die grüne Farbe das Engagement des Unternehmens für ökologische Materialien unterstreichen soll. Insgesamt wurden durch das aus Kaunas stammende Unternehmen UAB Statija 2.000 m² der PIGMENTO-Oberfläche in Stehfalzdeckung verlegt. Die Zinkfassade verleiht dem zentralen Gebäudebereich auf beiden Seiten eine markante, geschwungene Linienführung. Die Architekten gaben Zink auch deswegen den Vorzug, weil die Flexibilität des Materials die Formgebung mit den großen, geschwungenen Rundungen begünstigt. Gleichzeitig bietet VMZINC durch seine Langlebigkeit, Nachhaltigkeit und Recyclingeigenschaften die besten Möglichkeiten, den ökologischen Anspruch in die Praxis umzusetzen.

Moderne Gebäude mit großen Fenstern und geschwungener Fassade, umgeben von grünem Land und blauen Himmel.
Die VMZINC-Stehfalzdeckung in der Oberfläche PIGMENTO grün soll vor allem den ökologischen Anspruch von Kauna baldai unterstreichen

Polstermöbel für Europa

Der Wunsch, weiter zu expandieren, zeigt sich auch in einer deutlichen Modernisierung der gesamten Produktionskette. So wurden wichtige Arbeitsschritte automatisiert und beispielsweise ein robotergestütztes Rahmenmontagesystem installiert. Gleichzeitig wurde durch den Neubau die Produktionsprozesse verbessert. Der Weg, den die Möbel während der Produktion zurücklegen, hat sich halbiert. Die für die Herstellung benötigte Zeit ist um 25 Prozent gesunken. Dadurch ist die Effizienz deutlich gestiegen. Diese Neuerungen haben auch zu einer drastischen Reduzierung des Stromverbrauchs geführt. All dies soll dazu beitragen, dass mithilfe einer gesteigerten Produktionskapazität weitere europäische Märkte für die Polstermöbel von Kauno baldai erschlossen werden können. Trotz der vielen Rationalisierungen ist die Zahl der Beschäftigten nicht gesunken. In dem neuen Werk arbeiten nun über 400 Mitarbeiter an den Polstermöbeln für den europäischen Markt.

Luftaufnahme eines modernen Gebäudes mit Fluss im Hintergrund und umgebender Natur.
Die Effizienz hat sich durch den Neubau deutlich erhöht. Mithilfe der gesteigerten Produktionskapazität sollen weitere europäische Märkte erschlossen werden

Guido Wollenberg

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