Die Wohnanlage Fellentor liegt unmittelbar neben dem Bahnhof der kleinen Marktgemeinde Lauterach im österreichischen Vorarlberg. Diese Lage an einer gut frequentierten Bahnlinie hatte großen Einfluss auf die Erschließung des Grundstücks und die Positionierung der fünf Gebäude. Sie gruppieren sich wie eine Wagenburg rund um einen freien Bereich im Inneren. Durch gestaffelte Gebäudehöhen schirmen sie die Bewohner vor dem Lärm und der Betriebsamkeit ab, welche die exponierte Lage am Bahnhof und an den Bahngleisen mit sich bringt. Die beiden direkt den Gleisen zugewandten Gebäude wachsen sechs beziehungsweise fünf Stockwerke in die Höhe. Bei den weiter abgewandten Wohnhäusern sinkt die Höhe über vier bis auf drei Geschosse ab.

Fließende Grenzen
Dorner/Matt Architekten aus Bregenz haben die Wohnanlage entworfen und nutzen die Gruppierung der Gebäude um eine freie Mitte, um den Eindruck einer Trennung zwischen Innen und Außen zu vermitteln. Dieser Eindruck wird dadurch verstärkt, dass alle Gebäude aus dem Innenbereich heraus erschlossen werden. Einzig eine Bäckerei und ein Gemeinschaftsraum öffnen sich nach außen zu einem vorgelagerten, begrünten Platz. Dorner/Matt planten allerdings genügend Raum zwischen den Gebäuden ein. So bleibt der Komplex durchlässig für Blick- und Wegführungen, die Wohnanlage präsentiert sich als lebendiges Quartier mit fließenden Grenzen und nicht als abgeschottete, reine Schlafsiedlung.

Zufriedenheit durch Vielfalt
Dorner/Matt arbeiteten mit öffentlichen und lokalen Interessensgruppen zusammen, um eine geeignete Herangehensweise für dieses Projekt zu entwickeln. Die Wohnbauförderung des Landes erwartete zudem ein Konzept, das sozialen Miet-Wohnraum mit privatem Wohnraum vereint. Auf dieser Basis entstand eine Wohnanlage, bei dem die „Durchmischung“ eine zentrale Rolle einnimmt. Getreu diesem übergreifenden Motto der Durchmischung, bildet das Zusammenspiel von unterschiedlichen Lebensmodellen und Altersstufen ein zentrales Merkmal des Projekts.

Sozialer Wohnraum und Privatbesitzt auf Augenhöhe
Die Wohnanlage Fellentor vereint Eigentumswohnungen mit Mietkauf- sowie Mietwohnungen und soll der Entmischung von Wohnquartieren entgegenwirken. Dabei wurde bewusst auf Abgrenzungen verzichtet, wie sie bei solch gemischten Wohnprojekten häufig anzutreffen sind. Oft werden Eigentums- und Mietwohnungen in einem integrativen Projekt strikt nach Gebäuden getrennt oder Eigentumswohnungen sind auf einer Penthouse-Ebene über den restlichen Wohnungen angeordnet. Im Projekt Fellentor folgt die Durchmischung jedoch keinen Regeln. Die Eigentumswohnungen unterscheiden sich nicht von den Mietwohnungen. Rund ein Drittel der 61 Wohnungen wurden als Eigentumswohnungen ausgeschrieben. Günstiger sozialer Wohnraum und Privatbesitzt residieren in gleichwertiger Ausführung Tür an Tür.

Rollenwechsel
VMZINC ist gebäudeübergreifend ein wesentliches Element der Fassadengestaltung. Ungewöhnlich ist allerdings, wie Zink hier eingesetzt wird. Bereiche in PIGMENTO braun sind wie Ausfachungen in eine weiß verputzte Fassade integriert. Der verputzte Anteil scheint fast die Optik einer Pfosten-Riegel-Konstruktion nachzuahmen. Das Zink seinerseits umschließt Fenster- und Balkonöffnungen, dient jedoch auch als alleinstehendes Gestaltungselement innerhalb der Ausfachungen. Die Balkone der Wohnungen befinden sich zumeist an den Gebäudeecken, sind jedoch komplett in das Fassadenraster eingebunden und treten nicht aus der Linienführung hervor. Ihre Geländer sind ebenfalls mit VMZINC in PIGMENTO braun bekleidet.

Zwischen Schutz und Offenheit
An der Fassade wurden insgesamt rund 2.700 m² Zink verarbeitet. Ein Großteil davon als perforierte Zinkpaneele, die den Charakter des gesamten Projektes im Spannungsfeld zwischen Schutz und Offenheit gut widerspiegeln. Lediglich um die Eingänge zur Bäckerei und zum Gemeinschaftsraum wurde Zink in Kassettenform eingesetzt, auch hier in der vorbewitterten Oberfläche PIGMENTO braun. Ein besonderes Detail der perforierten Paneele ist der von oben nach unten abnehmende Anteil der Lochung, der sich in jeder Ausfachung von Neuem wiederholt. Dieses Spiel mit der Perforation nimmt dem durchgeplanten Fassadenraster etwas von seiner Strenge und unterstreicht die Grundidee der Durchmischung, die das Gebäudekonzept nicht nur funktional bestimmt.

Guido Wollenberg
Bildrechte: Walser Fotografie