Die Stadt Oxford ist für ihre altehrwürdige Universität bekannt. Ihre Anfänge reichen bis ins Hochmittelalter zurück. Doch in Oxford gibt es noch eine zweite, deutlich jüngere Universität: die Oxford Brookes University. Rund 160 Jahre alt, hat sie sich von einer Kunsthochschule zu einem Polytechnikum entwickelt und erhielt erst spät den Status einer Universität. Anfang der 1990er Jahre sorgte eine neue Gesetzgebung im Vereinigten Königreich dafür, dass Dutzende Polytechnika diesen Aufstieg vollzogen und Cambridge und Oxford an die Seite traten.
Lückenschluss
Die Entwicklung der Oxford Brookes University und die damit einhergehende, steigende Zahl an Fachbereichen hatte zu einer räumlichen Segmentierung des Campus geführt. Dieser Aufsplitterung möchte die Universität nun durch neue Bauprojekte entgegenwirken. Zu diesem Zweck hat das Architekturbüro ADP Architecture zwei neue Universitätsgebäude für den Campus Headington Hill konzipiert. Sie schließen bestehende Lücken und werten die umliegende öffentliche Parklandschaft sowie die Universität als Ganzes auf. In den Werkstatt- und Lehrgebäuden können die Studierenden sowohl theoretische als auch praktische Arbeiten erledigen.

Forschung und Lehre werden virtuell
Eines der beiden Gebäude bietet zahlreiche digitale Angebote und Lernumgebungen und ist mit zukunftsweisenden Technologien wie Robotik-Laboren ausgestattet. Studierende können hier unter anderem virtuelle Gebäude und Städte entwerfen, CAD-Designs interaktiv umsetzen oder sogar einen Formel-1-Wagen virtuell zerlegen, um Designänderungen zu testen.
Prototypen für die Rennstrecke
Das zweite Gebäude ist ein Werkstatt- und Lehrgebäude. Es besitzt eine Außenhülle, die komplett in der VMZINC-Oberfläche PIGMENTO grün gestaltet wurde. Es bietet Studierenden und Forschenden eine technische Ausstattung sowie Fertigungswerkstätten auf Industrieniveau. Besonders die Bereiche Motorsport, Fahrzeugtechnik und Maschinenbau sind hier vertreten. So beherbergt es neben einem Windkanal auch Motorenprüfstände. Ein Labor mit verschiedenen Formel-1-Rennwagen soll das Verständnis der Studierenden für Fahrwerkstechnik, Chassis-Konstruktion und Aerodynamik fördern und zudem als Basis für das „Oxford Brookes Racing Team“ dienen. Das Team aus Studierenden nimmt an der „Formula Student Challenge“ teil, einem Wettbewerb, bei dem Studierende Prototypen für Rennwagen entwerfen.
Auf gute Nachbarschaft
Die Gebäude fügen sich in die umliegende Parklandschaft von Headington Hill ein. Ihre Standorte und ihre Gestaltung sind so gewählt, dass sie den denkmalgeschützten Bestandsgebäuden der Universität mit Respekt begegnen, während sie gleichzeitig die modernen Anforderungen des ingenieurwissenschaftlichen Lehr- und Werkstattbetriebs erfüllen. Das mit Zink bekleidete Lehr- und Werkstattgebäude steht in direkter Nachbarschaft zu einem historischen Universitätsgebäude, dem Richard Hamilton Building. In diesem befindet sich unter anderem der Fachbereich für künstlerische Studiengänge. Da der Neubau nah an den Bestand heranreicht, greift er einige architektonische Elemente des Gebäudes auf, um einen gestalterischen Bruch zu vermeiden.

Gleich und Gleich gesellt sich gern
Das Lehr- und Werkstattgebäude übernimmt behutsam die Formen des Nachbarbauwerks. Dabei bezieht es sich hauptsächlich auf den direkt angrenzenden Gebäudebereich. Dieser besteht aus zwei parallel ausgerichteten Volumen, die an ihrer Längsseite direkt aneinanderstoßen. Ihre Steildächer sind traditionell mit rötlichen Dachziegeln gedeckt. Diese Gestaltung als Doppelgebäude mit zwei getrennten Steildächern findet sich auch im Neubau wieder. Das Lehr- und Werkstattgebäude besteht ebenfalls aus zwei parallel zueinander liegenden Volumen. Diese stehen allerdings mit gewissem Abstand zueinander und werden durch einen verglasten Bereich in der Mitte verbunden. Die Giebelseiten von Alt- und Neubau sind zueinander ausgerichtet. Wichtige Sichtachsen im Neubau führen vom Park auf der einen Seite zum historischen Gebäudebestand auf der gegenüberliegenden Seite. So fügt sich das Gebäude schlüssig und harmonisch in seine Position.

Viele Systeme – eine Oberfläche
Eine Besonderheit des zweigeschossigen Doppelgebäudes ist es, dass die Außenhülle der beiden Geschosse und der Dächer jeweils in der gleichen Oberfläche ausgeführt wurden: PIGMENTO grün. Dabei wurden allerdings unterschiedliche VMZINC-Produktsysteme verwendet. Während im Erdgeschoss 1 mm starke Mozaik-Elemente zum Einsatz kommen, sind es im Obergeschoss entsprechend starke Steckfalzpaneele. Auf dem Dach wurde VMZINC in Stehfalztechnik mit 0,7 mm starken Bahnen verlegt. Die einzelnen Bereiche heben sich auch durch ihre unterschiedliche, vertikale Strukturierung voneinander ab. So weisen die Fassaden im Obergeschoss die doppelte Anzahl an vertikalen Fugen auf wie die Fassaden im Erdgeschoss und die Stehfalzdeckung auf dem Dach.

PIGMENTO grün stärkt den Zusammenhalt
Die vorbewitterte VMZINC-Oberflächenvariante PIGMENTO grün bildet die Klammer für alle Bereiche und Systeme. So entsteht trotz der unterschiedlichen Rhythmen und Linienführungen zwischen Erdgeschoss und Dach einerseits sowie Obergeschoss andererseits ein Gebäude mit einheitlichem Auftritt. Eine weitere Besonderheit sind die ebenfalls auf PIGMENTO grün basierenden, perforierten Fassadenbekleidungen im Obergeschoss der Giebelseiten. Die perforierten Bereiche setzen sich deutlich von der restlichen Gebäudehülle ab und kaschieren dahinterliegende Lüftungslamellen. Sie unterstreichen zugleich den eigenständigen Charakter des Lehr- und Werkstattgebäudes und bilden mit ihrer Textur gleichzeitig eine architektonische Antwort auf das kleinteilige, historische Ziegelmauerwerk gegenüber.

Saubere Ziele
Die Oxford Brookes University hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2040 CO₂-neutral zu sein. Die beiden neuen Gebäude ebnen diesen Weg zu einem CO₂-armen Campus mit energieeffizienten Lösungen. Sie minimieren mit einem „Fabric-First“-Ansatz (Priorisierung der Gebäudehülle) den Primärenergieverbrauch und die CO₂-Emissionen. Dank einer thermisch optimierten Gebäudehülle bieten sie die passenden Voraussetzungen für einen effizienten Einsatz von Wärmepumpen, Photovoltaikanlagen und Niedertemperatur-Heizsystemen. Die VMZINC-Oberflächen und -Systeme am Lehr- und Werkstattgebäude fügen sich mit ihrer Langlebigkeit und Wartungsfreiheit sowie mit ihrem kleinen ökologischen Fußabdruck und ihrem hohen Recyclinganteil gut in dieses Bild ein.

Gelungenes Lockmittel
Auch aus pädagogischer Sicht erweisen sich die neuen Bauwerke als wertvoll. Die Studierenden fühlen sich in der neuen Lernumgebung offenbar sehr wohl. Die Statistik zeigt, dass sie nun mehr Zeit an der Universität verbringen und sogar häufiger an Lehrveranstaltungen teilnehmen. Doch die neuen Möglichkeiten verbessern nicht nur Bildung und Forschung, sie helfen auch bei der Berufsvorbereitung und erleichtern die Zusammenarbeit mit der Industrie. Und auch das Umfeld profitiert. Ein Teil der neuen Angebote steht der Bevölkerung offen und soll die Einbindung des Bildungsinstituts in die lokale Gemeinschaft verbessern.

Guido Wollenberg
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