Wandel sichtbar gemacht

Peekay Steel Castings ist ein Unternehmen, das seit über 70 Jahren in der Stahlbranche tätig ist und Gussteile für die Öl- und Gasindustrie herstellt. In Bengaluru (ehemals Bangalore) hat das Unternehmen nun ein Werk für modernste Fertigungsverfahren errichtet. Im Mittelpunkt der Anlagen steht der 3D-Druck. Mit dieser Technologie können Sandformen für klassische Metallgussverfahren werkzeuglos hergestellt werden. Peekay Steel reagiert damit auf die Anforderungen eines Marktes, der nach immer komplexeren Formen, kleinen Stückzahlen und flexiblen Lieferzeiten verlangt. Dafür wurde eine der weltweit größten 3D-Fertigungsmaschinen für das Sanddruck-Verfahren angeschafft. Der Wandel vom traditionellen Stahlunternehmen zum technologischen Vorreiter ist für Kunden und Mitarbeiter schon beim Anblick des neuen Werks sichtbar. Eine markante Außenhülle aus Zink unterstreicht die neue Ausrichtung von Peekay Steel Castings.

Auf dem Präsentierteller

Das neue Werk befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft des Kempegowda International Airports. Hier entwickelt die Stadt Bengaluru die „Airport City“. Auf dem Areal sollen in Zukunft Gewerbeparks, Einzelhandel, Restaurants und ein umfangreiches Entertainment-Angebot inklusive Konzerthalle entstehen. Ein bedeutendes Ziel der Stadt ist es, hier viele Technologieunternehmen nach kalifornischem Vorbild anzusiedeln. Der Standort von Peekay Steel Castings findet sich in zentraler Lage zwischen „Airport City“ und Flughafen. Ihr Weg in den neuen Bezirk wird also zukünftig sehr viele Menschen an dem Gebäude des Stahlunternehmens vorbei führen.

Auf der Rückseite vermittelt das Gebäude einen stärkeren Bezug zu traditionellen Industriebauten

Der Wandel manifestiert sich

Peekay Steel Castings beauftragte das in Bengaluru beheimatete Architekturbüro Venkataramanan Associates, die Neuausrichtung mit einem Gebäude von entsprechender Außenwirkung zu unterstreichen. Das Team sollte den Paradigmenwechsel von den klassischen Methoden der Stahlindustrie hin zur 3D-Fertigung aufgreifen und in ein repräsentatives Gebäude mit einer wiedererkennbaren Architektur umwandeln. Um die über Jahrzehnte gewachsene Identität des Unternehmens zu bewahren, orientierten sich Venkataramanan Associates gleichzeitig am Erscheinungsbild traditioneller Stahlfabriken und Gießereien, die oft in großen Industriehallen untergebracht sind.

Produktion und Kommunikation unter einem Dach

Eine zentral im Gebäude gelegene Produktionshalle gestattet von vielen verglasten Bereichen aus einen Einblick in den Produktionsprozess. Die 3D-Produktion wird durch Funktionen als Forschungs-, Design- und Erlebniszentrum ergänzt, zudem dient das neue Werk auch als Raum für die Öffentlichkeitsarbeit und für Veranstaltungen. Das gesamte Gebäude spiegelt die Dualität wider, die sich aus einer Mischnutzung der Funktionsbereiche Produktion und Kommunikation ergibt. Die Außenhülle greift diese Idee auf und setzt sich aus einer Kombination von opaken und transparenten Bereichen zusammen.

In der Dämmerung zeigt sich das Zusammenspiel zwischen opaken und transparenten Bereichen besonders deutlich

Repräsentative Aufgaben für die Fassaden

Die wichtigen Zugangswege zum Gebäude führen an den Fassaden auf der Süd- und Westseite vorbei. Aufgrund dieser Einbindung in den Standort übernehmen vor allem diese Fassaden repräsentative Aufgaben. Besonders markant ist die Südfassade mit gebäudehohen vertikalen Lamellen. Sie enden an der Oberseite in einem Sägezahnprofil, das sich fast über die gesamte Gebäudelänge erstreckt. Um den Wärmeeintrag über die Südseite zu begrenzen, sind die großen Lamellen schräg zur Fassade angeordnet. So ergibt sich auf der sonnenabgewandten Rückseite jeder Lamelle Raum für eine gebäudehohe Fensterreihe, die das Licht nur abgeschattet ins Gebäude lässt. Das reduziert den Bedarf an künstlicher Beleuchtung und damit den Energieverbrauch. Die großen opaken Flächen der markanten Außenhülle inklusive der Lamellen sind in der VMZINC-Oberfläche PIGMENTO rot ausgeführt. Die vorbewitterten Zinkelemente sind das dominierende Material an der Fassade. Die Farbwahl soll an den Sandstein erinnern, aus dem einige der bedeutendsten Monumente des Landes bestehen.

Repräsentative Aufgaben: Die Fassade in der VMZINC-Oberfläche PIGMENTO rot soll an bedeutende Monumente des Landes erinnern

Hitzepuffer im Westen

Die Westfassade greift das Lamellenmotiv auf, allerdings in einer transparenten Variante aus Streckmetall. Sie legt sich wie eine überdimensionierte Pergola um den Baukörper, der gen Westen große Glasbereiche aufweist. Unter dem schützenden, perforierten Schirm befinden sich überdachte Terrassen und begrünte Innenhöfe, die als natürliche Puffer den Innenbereich von der Hitze abschirmen und der Mitarbeiterschaft als Erholungszonen dienen.

Keine Konkurrenz für die Zinkfassade: Die perforierte Westseite spendet Schatten und tritt zurückhaltend auf

Mit Zink in Szene gesetzt

Venkataramanan Associates wählten vorbewittertes Zink für die Außenhülle, weil es die Geometrie des Gebäudes gut zur Geltung bringt. Es ist ein Material, das einerseits im industriellen Sektor häufig für Dächer und Fassaden eingesetzt wird und andererseits durch seine Flexibilität und Verarbeitungsmöglichkeiten auch ungewöhnliche Fassadenformen unterstützt. In Bengaluru setzt VMZINC in PIGMENTO rot sowohl die markanten Lamellen in Szene als auch die anderen Fassadenseiten mit ihren großen opaken Flächen. Eine fassadenübergreifende Stehfalzdeckung mit versetzten Fugen sorgt für Auflockerung und Struktur, ohne dass dafür auf andere Materialien zurückgegriffen werden müsste. Der perforierte Bereich auf der Westseite ist so konzipiert, dass er der Fassade eine weitere Schicht hinzufügt, ohne mit dem Hauptmaterial Zink in Konkurrenz zu treten.

Vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt: Hinter den Lamellen angebracht, erlaubt ein Fensterstreifen, indirektes Licht im Inneren zu nutzen

VMZINC punktet bei der Nachhaltigkeit

Das indische Architekturbüro entschied sich nicht nur aufgrund der ästhetischen Qualitäten und der Langlebigkeit für eine VMZINC-Außenhülle. Die Wahl von Zink für die Fassade verbesserte gleichzeitig die Nachhaltigkeit des gesamten Projekts. Zum einen durch die schattenspendenden Gestaltungsvarianten, die sich mit den Fassaden umsetzen lassen, zum anderen durch die umfangreichen Recyclingmöglichkeiten. Sie sorgen dafür, dass das Material auch in Zukunft wiederverwendet werden kann und somit Bauabfälle und der Bedarf an neuen Ressourcen reduziert werden. Durch die nachhaltige Bauweise ist das Gebäude für entsprechende nationale Zertifizierungen ebenso vorgesehen wie für eine internationale LEED-Zertifizierung.

Ein bemerkenswerter Fakt zum Schluss: Durch sorgfältige strategische Planung und umfangreiche Vorfertigung ist es Venkataramanan Associates gelungen, die Bauphase schon neun Monate nach Baubeginn mit der Prüfung und Inbetriebnahme des 3D-Druckers abzuschließen.

Im neuen Werk der Peekay Steel Castings werden Formen für klassische Metallgussverfahren per 3D-Fertigung hergestellt

Guido Wollenberg

Bildrechte: Shamanth Patil J

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