In Zink gereift

Nicht nur Athletinnen und Athleten messen sich im sportlichen Wettkampf. Auch Käsesorten konkurrieren miteinander um die Medaillenplätze. Im Jahr 2023 wurde in der Schweiz die erste Raclette-Weltmeisterschaft ausgetragen. Gekürt wurden die Sieger in drei käsigen Kategorien. In einer von diesen konnte sich die Käserei Seiler aus Giswil im Schweizer Kanton Obwalden den ersten Platz sichern. Seiler zählt zu den größten Käsereien der Schweiz. Der Traditionsbetrieb mit einer fast hundertjährigen Geschichte hat seinen Standort erst vor wenigen Jahren nach Giswil verlegt und dort einen neuen Produktionsbetrieb errichtet. Eine geeignete Lagerstätte für rund 90.000 Käselaibe fand das Unternehmen in einem nur wenige Kilometer entfernten Felsenkeller im Inneren der umliegenden Berge.

Der neue Reifungskeller liegt in direkter Nachbarschaft zum Produktionsbetrieb

Neue Lagerkapazitäten

Doch der Platz in diesem Felsenkeller wurde bald knapp und Seiler musste weitere Lagerflächen dazu mieten. So entschied man sich, einen eigenen oberirdischen Reifungskeller zu bauen, um von den zugemieteten Flächen unabhängig zu werden. Dieser sollte in unmittelbarer Nachbarschaft zum Produktionsbetrieb entstehen und Platz für die Reifung von weiteren 80.000 Käselaiben bieten. Allerdings wurde die verfügbare Lagerkapazität auf zweimal 40.000 Laibe aufgeteilt und in einem ersten Schritt zunächst nur die erste Hälfte ausgebaut.

Das Gebäude in PIGMENTO rot fügt sich stimmig in das von Bergen eingerahmte Tal ein

PIGMENTO macht den Unterschied

Der neue Reifungskeller besitzt einen rechteckigen Baukörper mit einer Länge von 54 Metern, einer Breite von 23 Metern und einer Höhe von 11 Metern. Die Eigentümer der Käserei haben sich für ein unkonventionelles Gebäude mit einer VMZINC-Fassade in PIGMENTO rot entschieden. Es hebt sich farblich von der umliegenden Bebauung der Ortschaft ab. Auch der bestehende Produktionsbetrieb zeigt, trotz ähnlichen Formen, mit einer Fassade aus beige-gelben Ziegeln ein anderes Erscheinungsbild. Dennoch fügt sich der Reifekeller gut in seinen Standort und in die Landschaft zwischen den hoch aufragenden Bergspitzen ein.

Jede Fassadenebene besitzt einen Überhang von 8 cm gegenüber der nach unten folgenden Ebene

Gewerbebau mit Stil

VMZINC hat in Zusammenarbeit mit dem Servicepartner Debrunner Acifer für das Projekt in Giswil insgesamt 13,5 t Fassadenbleche geliefert. Diese wurden vor Ort von der Rotz Gebäudehülle Plus AG in Winkelstehfalztechnik verarbeitet. Einige ungewöhnliche Stilelemente verleihen dem Reifungskeller ein individuelles Antlitz. So gliedert sich die Fassade in vier Ebenen, die alle einen 8cm tiefen Überhang zur jeweils unteren Ebene aufweisen, wodurch sich das Gebäude von oben nach unten zunehmend verjüngt. Während die gestalterische Geschosshöhe in den unteren drei Ebenen 2,58 Meter beträgt, ist das oberste Band sichtbar niedriger ausgeführt. Die Zinkelemente dieses oberen Fassadenstreifens sind an der Unterseite abgerundet. Zudem gibt es auf dieser Ebene Notüberläufe, die sich mit Blindrondellen abwechseln, welche auf gleicher Höhe angebracht sind. Sie dienen als weiteres Zierelemente an der Fassade.

13,5 t VMZINC in PIGMENTO rot wurden in Giswil in Stehfalztechnik verarbeitet

Harmonisch vorbewittert

Die Entscheidung für die präsente Gestaltung der Außenhülle in der vorbewitterten Zink-Variante PIGMENTO rot beruhte auf mehreren Faktoren. Zunächst ergänzen sich die Fassaden des bestehenden Produktionsbetriebs und des neuen Reifungskellers farblich sehr gut. Dank der vorbewitterten VMZINC-Oberfläche des Reifungskellers sind hier im Laufe der Jahre optisch nur noch kleine Anpassungen zu erwarten, so dass diese Farbharmonie auch langfristig erhalten bleibt. Zudem erweist sich die Vorbehandlung jedoch auch für die Anmutung der Oberfläche als Pluspunkt. So kommt das Zink ohne eine deckende Farbbeschichtung aus und die Walzrichtung bleibt genauso sichtbar wie die typische Struktur der Zinkoberfläche.

Die oberste Ebene der Zinkprofile ist unten abgerundet. Bei der Kombination der unterschiedlichen Achsmaße wurde auf eine durchgehende Linienführung geachtet.

Formstabil ins Rennen

Die Rotz Gebäudehülle Plus AG hat sich für den Einsatz von Zinkscharen mit einer Dicke von 1 mm entschieden. Durch die zusätzliche Materialstärke von 0,3 mm erweisen sich die Profile insgesamt als etwas widerstandsfähiger gegen Verformungen als die Standardvarianten mit 0,7 mm. Das Ergebnis ist eine aufgeräumte Fassade mit planen Profilen. Die Achsmaße der Profile betragen 300 und 600 mm. Die Zinkelemente wurden horizontal und vertikal so kombiniert, dass die Achsen des Gebäudes gut aufeinander abgestimmt wirken.

Was lange währt

Zu Beginn der Firmengeschichte im Jahr 1928 wurden in der Käserei Seiler täglich rund 40 Liter Milch zu Käse verarbeitet. Heute sind es täglich 80.000 Liter. Im Produktionsbetrieb entstehen daraus rund 1.000 Käselaibe. Diese wandern dann für einige Monate in den neuen Reifungskeller. Hier übernimmt ein spezieller Käsereiroboter die Aufgabe, die Laibe regelmäßig zu wenden und mit einer salzhaltigen Flüssigkeit zu behandeln, was im Fachjargon als „Schmieren“ bezeichnet wird. Dabei wird ihnen viel Zeit gewährt, um hinter der roten Fassade aus Zink langsam zu reifen. Vielleicht reicht es dann bei der nächsten Weltmeisterschaft auch wieder für einen Titel.

Rund 1.000 Käselaibe wandern täglich von der Produktion in den neuen, oberirdischen Reifungskeller

Guido Wollenberg

Bildrechte: Paul Kozlowski