Ein Whisky braucht Zeit, um seinen Geschmack zu entfalten und um seinen Wert zu steigern. Eine Destillerie, die neu beginnt, ist deswegen auf eine gute Strategie angewiesen. Sie muss die Zeit überbrücken, in der zunächst nur junge Jahrgänge zum Verkauf angeboten werden können.
Zwar hatte sich die Rosebank Distillery in über 150 Jahren Whiskyherstellung den Ruf erarbeitet, „King of the Lowlands“ zu sein, doch seit 1993 ist aus den schottischen Brennkesseln kein Whisky mehr geflossen. Vor einigen Jahren wurden sogar die drei Original-Brennblasen aus der stillgelegten und in Teilen verfallenen Brennerei gestohlen. Für die geplante Wiedereröffnung musste der neue Eigentümer nicht nur den gesamten Gebäudekomplex komplett sanieren und die Ausstattung erneuern, er musste sich auch etwas einfallen lassen, um seine Marktposition zurückzuerobern.
Qualmendes Wahrzeichen
Die Brennerei liegt gut erreichbar zwischen den beiden größten schottischen Städten Glasgow und Edinburgh im Gemeindegebiet von Falkirk. Die Bewohner schätzen den hohen Schornstein der Rosebank Distillery als weithin sichtbares Wahrzeichen ihrer Heimat. Bei der Sanierung der Brennerei wurde daher großer Wert darauf gelegt, den aus Ziegeln gemauerten Schornstein zu erhalten. Heute präsentiert er mit großen weißen Zahlen stolz das ursprüngliche Gründungsdatum: 1840.

Weichenstellung für die Zukunft
Der große schottische Whisky- und Spirituosenhersteller Ian Macleod Distillers kaufte im Jahr 2017 das Werksgelände sowie die Markenrechte an dem Namen „Rosebank“. Mit dem Erwerb alter Fässer aus dem Bestand der Brennerei aus der Zeit vor 1993 legte der neue Eigentümer den Grundstein für die Lagerung zukünftiger Whiskygenerationen. Doch erst im Jahr 2024 konnte die Produktion schließlich wieder anlaufen. Zahlreiche gewonnene Architekturpreise belegen, dass bei der Instandsetzung der Gebäude die gleiche Sorgfalt an den Tag gelegt wurde wie bei der Wiederaufnahme der Destillation des schottischen Nationalgetränks. Eine bauliche Verschmelzung von Alt und Neu verweist auf die Wiederbelebung der Marke auf Basis ihrer langen Geschichte.
Vom Erlebnis zum Genuss
Ian Macleod Distillers beauftragte das Architekturbüro Michael Laird Architects damit, die Rosebank Distillery durch eine umfassende Sanierung und Neugestaltung fit für das 21. Jahrhundert zu machen. Dabei durfte die Wirtschaftlichkeit nicht außen vor bleiben. Um dem neuen Whisky Zeit zum Reifen und der Destillerie Zeit zum Wachsen zu geben, wurden Räume für eine Erlebnisgastronomie als zusätzliche Einkommensquelle integriert. So sah der Entwurf des Architekturbüros Platz für ein Besucherzentrum, eine Whisky-Akademie und Einzelhandelsflächen vor.

So viel gerettet, wie möglich
Etwa die Hälfte der auf dem Gelände versammelten Gebäude stand unter Denkmalschutz. Doch nicht alle alten Gebäude konnten noch gerettet werden. Während sich die ursprünglichen Lagerhäuser in einem guten Zustand befanden, mussten die für den Brennprozess bestimmten Gebäude von Grund auf neu gestaltet werden. Dabei wird das Konzept von Michael Laird Architects dem historischen Gebäudebestand genauso gerecht, wie es die aktuellen Bauvorschriften erfüllt. Ein fortschrittliches BIM (Building Information Modeling) begleitete den gesamten Bauprozess.
Neues Leben für alte Baustoffe
Soweit möglich, wurden historische Baustoffe wiederverwendet. So wurde das Malzlager beispielsweise mit den Steinresten einer noch älteren Brennerei aus der Umgebung restauriert. Die originalen Holzböden wurden aufgearbeitet und bilden heute zusammen mit aufbereiteten, alten Balken den Eingang zum Lagerhaus sowie eine beeindruckende Kulisse für die Tasting Bar. Auch der 33 Meter hohe Schornstein wurde saniert und restauriert. Einige alte viktorianische Gebäude aus rotem Backstein am angrenzenden Kanalufer bieten nun Platz für sechs Verkostungsräume und sind Teil des wichtigen Besucherzentrums geworden.

Aufeinandertreffen von Alt und Neu
Der runderneuerte Gebäudekomplex liegt eingebettet zwischen einem Kanal und einer Straße und nimmt fast die Form eines Dreiecks an. Dort wo die zwei Hauptseiten des Gebäudes aneinanderstoßen, befindet sich eine von dunklem ANTHRA-ZINC umschlossene Glasfront. Sie gibt den Blick auf das Herzstück der Brennerei frei: den Ort, an dem der Whisky gebrannt wird. Eine der beiden langen Seiten zieht sich am angrenzenden Kanal entlang. Sie besteht größtenteils aus instandgesetzten historischen Gebäuden mit dunkelgrauen Schieferdächern. Die andere verläuft entlang einer Durchgangsstraße. Hier vereinen sich rotes Ziegelmauerwerk und dunkle ANTHRA-ZINC Fassaden. Das Ziegelmauerwerk wurde für den Fassadenbereich im Erdgeschoss verwendet. Der ebenfalls aus Ziegeln gemauerte Schornstein ist ein prägnanter Teil der Gestaltung dieser Gebäudeseite.
Geschichtsbewusstsein in dunklen Farben
Oberhalb des Erdgeschosses der straßenseitigen Gebäudefront beginnt die leicht vorgezogene Fassadenfläche aus ANTHRA-ZINC. Darüber erinnern sägezahnförmige Sheddächer, die mit der gleichen Titanzink-Oberfläche bekleidet sind, an die Formen alter Lagerhäuser. Die oberen Fassadenbereiche und die Dächer spiegeln gleichermaßen den ursprünglichen Charakter der durch den Produktionsprozess geschwärzten Brennereigebäude und der dunklen Schieferdächer wider. Die Sheddächer sind mit großflächigen Oberlichtern ausgestattet. Sie lassen sich automatisiert öffnen und leiten so die von den Brennblasen abgegebene Wärme ab.

Steckfalzpaneele für die Fassade
Insgesamt installierte das Glasgower Unternehmen Curtis Moore rund 2.000 m² ANTHRA-ZINC auf dem Dach und an der Fassade. Auf dem Dach wurde das vorbewitterte Titanzink in Stehfalztechnik verlegt, für die vorgehängten hinterlüfteten Fassaden kamen Steckfalzpaneele zum Einsatz. Diese wurden hauptsächlich in vertikaler Ausrichtung verlegt, lediglich am oberen und unteren Ende begrenzt jeweils ein horizontaler Streifen den Zinkbereich. Eine große Glasfront und einige schmale Glasstreifen durchbrechen die dunkle ANTHRA-ZINC-Fläche. Die VMZINC Steckfalzpaneele nutzen eine Nut- und Federverbindung mit verdeckter Befestigung. So entstehen bei der Verlegung der Steckfalzpaneele Schattenfugen, die der Fassade ihre Struktur geben. Das System zeichnet sich durch eine ebene Oberfläche und eine hochwertige Materialanmutung aus, welche durch die dunkle Farbgebung des Titanzinks zusätzlich hervorgehoben wird.
Kontrast aus Zink und Ziegel
Michael Laird Architects wählten die VMZINC-Oberfläche ANTHRA-ZINC für das Dach und die Fassade, da sie einen ästhetischen Kontrast zum Ziegelmauerwerk bildet und gleichzeitig über eine besondere Langlebigkeit und Korrosionsbeständigkeit verfügt, wie sie für alle VMZINC-Oberflächen charakteristisch ist. ANTHRA-ZINC verleiht den erneuerten Gebäudeteilen durch seine Farbgebung und Materialstruktur zudem ein anspruchsvolles Erscheinungsbild, das gut zum wiederbelebten Anspruch der Destillerie passt. Die vorbewitterte Zinkoberfläche sorgt dafür, dass die neu geschaffene Ästhetik für lange Zeit Bestand hat.

Der Whisky gibt den Ton für die Umstrukturierung an
Die Sanierung der Rosenbank Distillery ist ein gelungenes Beispiel für die Revitalisierung einer historischen Stätte. Die Nachhaltigkeit stand dabei im Mittelpunkt des Projektes, angefangen bei einer an der Kreislaufwirtschaft ausgerichteten Architektur, bis hin zu den neuesten Destillationstechniken. Auch die Effizienz und die Sicherheit des Produktionsprozesses wurden verbessert. Während die Gebäude ursprünglich noch in einer etwas unzusammenhängenden Struktur auf dem Gelände verteilt waren, orientieren sie sich nun besser an den Bedürfnissen der Whiskyherstellung.
Neustart für den dreifach destillierten König
Die Zukunft des Standorts und der Fortbestand der jahrhundertealten Whiskymarke scheinen durch die Erneuerung der Rosebank Distillery gesichert. Die Brennerei hofft, jährlich bis zu 50.000 Besucher zu begrüßen. Mit dem zusätzlichen Erlös möchte sie nicht nur die anlaufende Whisky-Produktion unterstützen, sondern auch das lokale Tourismusangebot in Falkirk aufwerten sowie neue Arbeitsplätze schaffen.
Die drei gestohlenen Brennblasen wurden übrigens durch Kessel ersetzt, die von einer Kupferschmiede anhand der Originalpläne neu angefertigt wurden. Sie bilden nun die verlässliche Basis für den dreifach destillierten Whisky von Rosebank. Seit der Wiedereröffnung ist das Interesse an der Marke neu erwacht und die Brennerei peilt eine Produktion von einer Millionen Litern Whisky pro Jahr an. Der König der Lowlands ist zurück.

Guido Wollenberg
Bildrechte: VMZINC / VM Building Solutions