Vielfalt als Konzept

Von Manchester City bis zur Irischen See sind es über 60 Kilometer. Dennoch ist es der Stadt gelungen, den drittgrößten Seehafen Englands zu etablieren. Angestoßen wurde dieser Schritt durch den Niedergang der Industrie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Manchester verlegte sich zwangsweise mehr auf den Handel. Doch die Küstenstadt Liverpool kontrollierte den Weg zum Meer und schmälerte die Gewinne durch hohe Hafengebühren. Diese machten den Weitertransport von Waren mit kleineren Schiffen über die natürlichen Wasserwege unrentabel. Manchester löste das Problem mit einem neuen Kanal, der groß genug war, um Seeschiffen den direkten Zugang zur Stadt zu eröffnen.

Wandlungsprozess weckt Nachfrage

Die Ausläufer des Manchester Ship Canal führen bis heute nach New Islington, das sich östlich an das Zentrum von Manchester anschließt. Noch zur Jahrtausendwende hatte der Stadtteil den Ruf, ein von Kriminalität geprägter Ort zu sein. Doch gemeinsam mit weiteren unattraktiven Stadtgebieten durchlief das Viertel in den letzten Jahren einen umfangreichen städtischen Erneuerungsprozess. Die zentrumsnahe Lage und die Wasserläufe haben aus New Islington ein gesuchtes Bau- und Wohngebiet gemacht, sogar eine kleine innerstädtische Marina ist hier zu finden.

Gefragtes Wohngebiet: Zentrumsnähe und Kanäle locken viele Menschen nach New Islington

Aus der Fülle geschöpft

Direkt am Wasser entstand das Wohnungsbauprojekt Lampwick Quay. Es setzt komplett auf gehobene Mietwohnungen, die nicht zum Verkauf angeboten werden. Im Vereinigten Königreich wird dieses Konzept „Build-to-rent“ genannt. Der Wohnkomplex verfügt über eine Gebäudehülle, die fünf verschiedene Oberflächen – vier davon aus Zink – und drei verschiedene Verlege-Systeme vereint. Das mag auf den ersten Blick übertrieben erscheinen, doch bei näherer Betrachtung erschließt sich die zugrunde liegende Logik: Das weitläufige Gebäude soll sein Umfeld nicht zu sehr dominieren. Deshalb wurde es in unterschiedlich große und hohe Baukörper unterteilt und gleichzeitig für Abwechselung an der Fassade gesorgt.

Das gold-lackierte Zink zieht die Blicke an, die beiden großen Baukörper des Ensembles zeigen mit PIGMENTO grau und QUARTZ-ZINC dezentere Oberflächen

Auftritt im goldenen Gewand

Der von den Architekturbüros Callison RTKL und JM Architects realisierte Entwurf positioniert das Gebäude im Kontext der bestehenden städtebaulichen Struktur. Eine Fassadenseite ist der Old Mill Street zugewandt, der Hauptverkehrsstraße des Stadtteils. Diese Fassadenseite ist fast über die gesamte Länge in einem hellen beige-grauen Farbton verklinkert. Sie tritt einige Meter aus dem Hauptbaukörper hervor und wird als einziger Gebäudebereich von geneigten Dachflächen bedeckt. Diese verklinkerte Straßenfront setzt sich vom Rest des Gebäudes durch seitliche Fassaden und Dächer ab, die beide mit gold-lackiertem Zink bekleidet sind.

Dunklere Bereiche unter den Fenstern setzen Farbakzente

Anlehnung an den Bestand

Die der Old Mill Street zugewandte Gebäudeseite besitzt eine gezahnte Dachlinie mit einem von der Marina wegführenden, absteigenden Verlauf. Sie sorgt für einen harmonischeren Übergang von den höheren Gebäuden rund um die Marina zu den niedrigeren Gebäuden des Straßenzugs. Das auffällige goldfarben lackierte Zink findet sich dann noch einmal in einem niedrigeren Gebäudebereich in der Mitte des Ensembles wieder. Dieser wird von zwei höher aufragenden Volumen aus vorbewittertem Zink eingerahmt.

Ebene Oberfläche und klare Struktur: Das größte Gebäude des Ensembles wurde mit dem VMZINC Kassettensystem MOZAIK bekleidet

Angenehmer Aufenthalt

Die beiden höher aufragenden Gebäudeteile weisen eine von Lagerhäusern inspirierte rechteckige Typologie auf. Ihre äußeren Fassadenseiten verlaufen entlang der Ausläufer des Hafenbeckens. Der größte Baukörper des Lampwick Quay Ensembles erstreckt sich über eine Höhe von zehn Etagen, die weiteren Gebäudeteile sind acht und fünf Stockwerke hoch. Die Anlage umfasst insgesamt 213 Wohneinheiten mit ein, zwei oder drei Zimmern. Alle gemeinschaftlich genutzten Bereiche wie Treppen, Flure und Aufzüge sind großzügig dimensioniert, um ein Gefühl der Offenheit zu vermitteln. Die große Eingangslobby folgt ebenfalls diesem Prinzip. Von hier aus haben die Bewohnerinnen und Bewohner Zugang zu einem hauseigenen Fitnessstudio und zu einem Clubraum. Im Erdgeschoss umfasst der Komplex weitere Gewerbeflächen von insgesamt rund 300 m².

Bis auf die gold-lackierten Bereiche wurden für Lampwick Quay nur vorbewitterte VMZINC-Oberflächen verwendet

Vorbewittert mit Akzenten

Das auffälligste Gestaltungsmerkmal des Gebäudeensembles sind sicherlich die gold-lackierten Zinkbereiche, die auch den zentralen Eingang des Gebäude einfassen. Sie sollen besonders an die Giebel und Tore der Lagerhäuser im ehemaligen Industriegebiet von Manchester erinnern. Die restlichen Außenfassaden sind dagegen mit vorbewittertem Zink bekleidet. Hier bestimmen hauptsächlich QUARTZ-ZINC und PIGMENTO grau das Bild. Dabei setzten jeweils kleine Bereiche in ANTHRA-ZINC unterhalb der Fenster dunkle Akzente.

Vielfalt der Systeme

Am Lampwick Quay werden nicht nur vier verschiedene Zinkoberflächen auf einer Fläche von rund 10.000 m² eingesetzt. Gleichzeitig werden drei verschiedene VMZINC-Systeme genutzt. Während sämtliche Flächen mit gold-lackiertem Zink in Stehfalztechnik mit einem Winkelstehfalz verlegt wurden, kommen bei den anderen Gebäudevolumen VMZINC Steckfalzpaneele sowie VMZINC MOZAIK zum Einsatz. Das zehnstöckige Gebäude in PIGMENTO grau mit MOZAIK-Fassade wird durch durchlaufende Fugen in horizontaler und vertikaler Richtung geprägt. Das achtstöckige hellere Gebäude in QUARTZ-ZINC verzichtet auf vertikal durchlaufende Fugen und setzt auf schmalere Elemente mit größerer Länge. Insgesamt wirkt dessen Fassade etwas feingliedriger und nicht so eindeutig strukturiert wie die des dunkleren Gegenübers. Die Verwandtschaft ist ihnen jedoch auf den ersten Blick anzusehen.

Der Wohnkomplex Lampwick Quay ist eines der größten Gebäude rund um die Marina

Industrielles Erbe

Die Marina von New Islington hat sich zu einem attraktiven Wohnumfeld entwickelt und die Wohnanlage Lampwick Quay ist ein wichtiger Bestandteil dieses Quartiers. Durch die Vielfalt an eingesetzten Oberflächen und Verarbeitungssystemen vermeidet die Anlage eine zu große Dominanz gegenüber den umliegenden Gebäuden der Marina. Gleichzeitig bewahrt sie durch diverse architektonische Zitate das Erbe der industriellen Vergangenheit.

Die Vielfalt an Oberflächen und Systemen ist ein besonderes Kennzeichen von Lampwick Quay

Guido Wollenberg

Bildrechte: VMZINC / VM BUILDING SOLUTIONS