Gekröntes Wissen

In der belgischen Stadt Lüttich ist mit dem „B3“ ein neues Mehrzweckgebäude entstanden, das sich selbstbewusst im Viertel Outremeuse am Ufer der Maas präsentiert. Ein breites Band aus hellem, perforiertem Zink umhüllt die oberen Stockwerke wie ein Diadem.

Bayern in Belgien

Das B3 verhilft einer ehemaligen, weitläufigen Brachfläche zu neuem Glanz, die die letzten Jahrzehnte vor sich hindämmerte. Das „B“ im Namen steht für Bavière (dt.: Bayern). Es weist auf ein seit 30 Jahren leerstehendes Krankenhaus hin, das den Standort bisher geprägt und ihm seinen Namen gegeben hat. Verantwortlich für diese ungewöhnliche Bezeichnung war Ernst von Bayern, Erzbischof und Kurfürst von Köln. Er verfügte im 16. Jahrhundert über ein recht ausgedehntes Herrschaftsgebiet, das bis nach Lüttich reichte. In seinem Namen wurde hier das Krankenhaus gegründet und dann auch nach ihm benannt. Seither ist der Name des adeligen Gründers im Volksmund fest verankert: „Nach Bayern gehen“ wurde für die Lütticher zu einem Synonym für „ins Krankenhaus gehen“. Das alte Krankenhaus war schon vor seiner Stilllegung ein recht geschlossener Bereich. Die lokalen Behörden erhoffen sich von der Erneuerung positive Impulse und eine Öffnung des gesamtes Viertels.

Das B3 vereint unterschiedliche Interessen aus den Bereichen Bildung und Kultur sowie aus der Start-up Szene unter einem Dach

Ein „B“ für den Wiedererkennungswert

Das B3 wurde ursprünglich unter dem Projektnamen „Pôle de Savoirs“ (dt.: „Wissenszentrum“) geplant und gebaut. Nach Rücksprache mit der lokalen Öffentlichkeit beschlossen die Behörden jedoch, das Gebäude zur Einweihung in „B3 – Centre de ressources et de créativité“ (dt.: B3 – Zentrum für Ressourcen und Kreativität) umzubenennen. Das „B“ bewahrt besser den Bezug zur ehemaligen Nutzung des Geländes und zum allseits verwendeten Namen. Die „3“ verweist auf die drei Hauptfunktionen, die das Gebäude übernehmen soll. Zunächst beherbergt es den analogen und digitalen Bestand einer ehemaligen Bibliothek. Rund 600.000 Medien von Büchern über Comics und CDs bis hin zu Kunstwerken können hier ausgeliehen oder in Augenschein genommen werden. Ein weiterer Bereich des Gebäudes ist der Erkundung von digitalen Innovationen wie beispielsweise der Augmented Reality oder dem 3D-Druck gewidmet. Schließlich gibt es noch ein Gründerzentrum, das einen Co-Working Space für Start-ups aus dem Kultur- und Kreativsektor bereitstellt und Workshops, Konferenzen und Veranstaltungen für diese Zielgruppe organisiert.

Das perforierte Zink schützt das großzügig verglaste Gebäude vor zu hohem Wärmeeintrag

Gut ausgestattet

Weitere Veranstaltungen wie Festivals, Kurzfilmvorführungen oder Konzerte richten sich an ein Publikum, dessen Interessen eher im kulturellen Bereich liegen. Dafür ist das B3 mit einem Aufführungsaal mit 160 Sitzplätzen ausgestattet, zudem gibt es einen großen Versammlungsplatz im Inneren sowie Studien-, Schulungs- und Besprechungsräume. Eine Brasserie mit Terrasse sorgt für das leibliche Wohl. Täglich sollen rund 2.000 Besucher ins B3 kommen, zu Spitzenzeiten werden deutlich mehr erwartet.

Das helle „Diadem“ ist der Blickfang des B3

Wiederbelebung mit Zink

Die Architekturabteilung der Provinz Lüttich hat das fünfstöckige Zentrum mit einer Nutzfläche von rund 15.000 m² entworfen. Das Team sieht die außergewöhnliche Architektur des B3 als treibende Kraft hinter eine Neubelebung des Viertels und einer Aufwertung des gesamten Bezirks. Die Außenhülle des Gebäudes besteht zu großen Teilen aus Glas, wodurch die Kühlung im Sommer zu einem entscheidenden Faktor wird. Deswegen fängt eine transparente Hülle aus Zink die Sonneneinstrahlung in den oberen Geschossen ab und hilft dabei, Energiekosten für die Kühlung einzusparen. Dieser transparente Überhang variiert in der Tiefe zwischen einem und drei Metern. Oberhalb dieses Bandes befindet sich ein nicht verhülltes Stockwerk, das mit VMZINC Flatlock-Paneelen bekleidet ist.

Der transparente Überhang variiert in der Tiefe zwischen einem und drei Metern

Mit gutem Beispiel voran

Das städtische Gebäude erfüllt hohe ökologische Standards und verfügt neben Photovoltaik und Solarthermie auch über eine Anlage zum Wasserrecycling und eine Erdwärmepumpe. Im Zink fand das Architekturteam der Provinz Lüttich ein Material, das auch aus der Umweltperspektive hervorragend zum Projekt passt. Durch die hohe Lebensdauer und Haltbarkeit unterstützt es die Bemühungen der Behörde, ökologisch mit einem guten Beispiel voranzugehen.

Lackierte Leuchtkraft

Das der Außenhülle aus Glas vorgelagerte „Diadem“ aus perforiertem Zink bildet den eigentlichen Blickfang des Gebäudes. Es ist in der hellsten VMZINC-Oberfläche AZENGAR ausgeführt. Um die Leuchtkraft des Diadems noch weiter zu steigern, wurde ein Großteil der perforierten Zinkelemente zudem in einer weiß lackierten Variante verwendet. Dies ist eher ungewöhnlich, da die Lackierung die besondere Materialanmutung von Zink überdeckt. Hier entschied man sich jedoch bewusst für diesen Schritt. Das Architekturteam wollte auf den Qualitäten von Zink basierend etwas Ästhetisches gestalten, das so mit diesem Material bisher noch nicht realisiert worden ist.

Untypische Nutzung: Die weiße Lackierung der Zinkelemente soll die Leuchtkraft erhöhen

Komplexer Auftrag

Die perforierten Zinkelemente ruhen auf einer komplexen Unterkonstruktion. Die Profile der Unterkonstruktion werden von vertikalen Trägern gehalten, die etwa alle 7,5 Meter in unterschiedlichen Höhen an der inneren Gebäudehülle verankert sind. Die einzelnen Zinkelemente haben recht große Abmessungen und viele von ihnen mussten aufgrund der komplexen Linienführung des krönenden Diadems speziell zugeschnitten werden. Diese komplexe Linienführung spiegelt sich auch in der darunter liegenden Unterkonstruktion wider, so dass die gesamte Arbeit an der zweiten Hülle eine Herausforderung in der Planung und Ausführung darstellte. Die beauftragten Unternehmen HD Systems und Groven+ haben diese Arbeit jedoch hervorragend gemeistert und das B3 im Glanze von rund 3.700 Zinkelementen erstrahlen lassen.

Die äußere Hülle aus perforiertem Zink folgt komplexen Formen

Guido Wollenberg

Bildrechte: Fabien Devaert

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