Wehre und Schleusen sind oft ausladende Bauwerke. Zu ihren Aufgaben zählt es, den Schiffsverkehr zu ermöglichen, den Wasserpegel für die Schifffahrt zu regulieren oder bei Hochwasser einen geregelten Abfluss zu ermöglichen. Auch an schmaleren Flussläufen oder Seitenarmen, wo das Wasser meist gemächlicher dahinfließt, erfüllen Wehre eine Funktion. Dies tut auch ein kleines Wehr im belgischen Sint-Baafs-Vijve einige Kilometer südwestlich von Gent. Hier reguliert es den Wasserstand in einem Nebenarm des Flusses Leie. Neben dem eigentlichen Wehr findet sich sogar eine Fischpassage, die den Fischen ihre oft schwierige Wanderung an dem Wehr vorbei erleichtert.
Runter von der Straße
Die Sanierung des Wehrgebäudes war Teil einer umfassenderen Erneuerung, die sich einer Schleusenanlage im Hauptarm der Leie widmete. Die Leie dient als Wasserstraße für Frachtschiffe und ist mit den größeren Wasserwegen Belgiens verbunden. Das gesamte Projekt wurde von der Europäischen Union unterstützt, um die Binnenschifffahrt als Alternative zum Güterverkehr auf der Straße zu stärken.

Anreise per Schiff
In einigen Metern Höhe thront das Wehrgebäude über dem Wasserlauf. Das mit rotem Zink bekleidete Gebäude wurde jedoch nicht an diesem Ort fertiggestellt. Diese Arbeit fand in einem Werk südlich von Antwerpen statt. Dort wurden zunächst zwei Gebäudehälften getrennt voneinander aufgebaut und dann separat zum Ziel transportiert. Festgezurrt auf einem Transportschiff, legten sie eine über 80 km lange Reise über die belgischen Wasserstraßen zurück, bevor sie nacheinander ihren Bestimmungsort erreichten. Dort angekommen wurden die Hälften dann mithilfe eines Krans auf der vorbereiteten Stahlkonstruktion des Wehres befestigt und zu einem Ganzen vereint. Die gesamte Konstruktion ruht ihrerseits auf Betonpfeilern.

Maritime Metapher
Das Äußere des Wehrgebäudes erinnert entfernt an Schiffscontainer. Sie sind im Werk des Bauunternehmens De Meyer aus Temse entstanden. De Meyer baute sie nach den Entwürfen des Architekturbüros Arch & Teco. Schon im Werk wurde die erforderliche Maschinentechnik für die Steuerung der Wehranlagen in die Container integriert.

Fertigstellung im Werk
Die Tectum Group übernahm daraufhin die Verantwortung für die Fertigstellung der beiden Außenhüllen. Die belgischen Spezialisten für Dach- und Fassadenarbeiten brachten im Werk von De Meyer zunächst eine Dämmung auf der Stahlkonstruktion an und bekleideten anschließend die Fassaden in der VMZINC-Oberfläche PIGMENTO rot. Insgesamt haben sie an den Fassaden der beiden Baukörper rund 210 m² PIGMENTO rot in Stehfalztechnik verlegt. Die Flachdächer der Container wurden ebenfalls gedämmt, jedoch lediglich mit einer Bitumenabdichtung versehen.

Keine Angst vor rauen Brisen
Das Architekturbüro Arch & Teco entschied sich nicht nur für eine Lösung mit VMZINC, weil die rötlich-braune PIGMENTO-Oberfläche das Wehrgebäude ästhetisch aufwertet. Vielmehr handelt es sich bei dem vorbewitterten Zink auch um ein äußerst langlebiges Material, das sich in maritimen Gegenden und in Wassernähe bereits vielfach bewährt hat. Denn durch seine exponierte Lage über dem Fluss ist das Wehrgebäude in besonderem Maße der Witterung und der Feuchtigkeit ausgesetzt. Nicht zuletzt spielte wie bei den meisten aktuellen Projekten auch die Nachhaltigkeit des Materials eine Rolle. Ein Aspekt, der laut Art & Teco stark für Zink spricht, da es sich um einen zu 100 Prozent recycelbaren Werkstoff handelt, der zudem mit einem kleinen ökologischen Fußabdruck produziert wird.

Guido Wollenberg
Bildrechte: Tectum Group, Steven Thys