Rauf aufs Abstellgleis: Google stockt auf

Im Jahr 2001 beschäftigte Google nur einen einzigen Mitarbeiter in New York. Sein Arbeitsplatz: ein Café in Manhattan. Heute beherbergt die Stadt den zweitgrößten Standort des Konzerns. Mittlerweile sind in New York über 14.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Google tätig. Rund 3.000 von ihnen sind 2024 in ein neues Gebäude gezogen. Es wurde auf einem ehemaligen Güterbahnhof errichtet. Wo früher das St. John’s Terminal stand, befindet sich heute Googles Hauptsitz für globale Geschäftsbeziehungen. An der Westseite von Manhattan gelegen, ist der neue Standort Teil des Google-Campus am Hudson Square, wo das Unternehmen eine Reihe weiterer Immobilien besitzt.

Neues Zuhause im alten Bahnhof

Das St. John’s Terminal wurde in den 1930er Jahren als Endstation einer Hochbahnstrecke der New York Central Railroad erbaut. Die Strecke diente dem Transport von Industriegütern entlang der West Side Manhattans. Das Bahnhofsgebäude bot Platz für 227 Güterwaggons. Ab den 1960er Jahren wurde der Schienenverkehr auf der Strecke eingestellt und der Bahnhof fortan als Lager- und Bürogebäude genutzt. Bis 2024 wurde das Bauwerk von CookFox Architects im Auftrag von Google umfassend restauriert und erweitert. Das Architekturbüro entschied sich dafür, die unteren drei Stockwerke des Bahnhofs in den Neubau zu integrieren. Eine Lebenszyklusanalyse für das Gebäude schätzt, dass durch die Einbeziehung der vorhandenen Bausubstanz rund 78.400 Tonnen CO2 eingespart werden konnten.

Die alten Gleisbetten ragen über dem Haupteingang aus dem Gebäude hervor und verweisen auf die Geschichte des Standorts

Big Tech statt Schienenverkehr

Das alte Bahnhofsgebäude, das früher die Last der Züge bewältigen musste, erwies sich als sehr tragfähig. Deshalb konnte es deutlich aufgestockt werden. Ganz bewusst fiel die Entscheidung jedoch gegen einen weiteren Wolkenkratzer („Skycraper“). Stattdessen ist das Gebäude ein „Groundcraper“ geworden, es hat in der Fläche eine deutlich größere Ausdehnung als in der Höhe. Die alte Fassade aus Ziegelmauerwerk und der massive Sockel wurden aufwendig restauriert und die drei alten Stockwerke mit Deckenhöhen von 8,50 Meter wurden um neun weitere Stockwerke mit Deckenhöhen von 4,90 Meter ergänzt. Insgesamt kommt das Gebäude nun auf eine Höhe von 71 Metern. Dabei bleiben die unterschiedlichen Gebäudeteile weiterhin erkennbar, nicht nur durch einen Materialwechsel von Ziegel zu Glas und Metall, sondern auch durch einen mehrere Meter breiten Rücksprung im Gebäude im vierten Stockwerk. Zwei weitere Rücksprünge finden sich im 11. und im 12. Stockwerk. Mit großen, klar strukturierten Fensterflächen haben CookFox Architects die eher geschlossenen Strukturen des Ursprungsgebäudes aufgebrochen. Das riesige Bürogebäude stellt eine Nutzfläche von über 120.000 m² bereit.

Oben auf Googles New Yorker Hauptquartier bestimmt QUARTZ-ZINC das Bild

Naturverbundener Arbeitsplatz

Das Gebäude orientiert sich konsequent an biophilen Designstrategien: Der Umgang mit Licht, Pflanzen und Wasser bestimmt den gesamten Entwurf. Die Innenräume sind von Tageslicht durchflutet und bieten einen Panoramablick auf New York und den Hudson River. Gleichzeitig schafft eine enge Verbindung von Innen- und Außenräumen einen direkten Bezug zur Natur und zu den Jahreszeiten. Durch die drei großen Rücksprünge im Gebäude ergeben sich weitläufige Außenflächen, die nun als begrünte Terrassen der Erholung dienen. Auf den insgesamt mehrere tausend Quadratmeter großen Dachgärten wurden Pflanzen angesiedelt, die auch in den New Yorker Parks und im Umland der Stadt heimisch sind. Das Grün teilt sich den Platz mit einer Vielzahl von Solarmodulen. Gleichzeitig wurde eine Regenwasserauffanganlage mit einem Fassungsvermögen von bis zu 350.000 Litern integriert. Aufgrund der umfangreichen Maßnahmen rund um ein nachhaltiges Bauen erhielt das Gebäude die höchste Einstufung im LEED-System, die LEED v4 Platin Zertifizierung.

Wo eine gute Belüftung erforderlich war, wurden gelochte Zinkbleche verwendet

Schnittmuster aus der Vergangenheit

Über dem Haupteingang an der Nordseite des Gebäudes ragen die alten Gleisbetten der Hochbahn aus der Fassade hervor. CookFox Architects haben an dieser Stelle einen Teil des ursprünglichen Bahnhofsgebäudes abgeschnitten, die Gleisbetten freigelegt und in die neue Gebäudestruktur eingebunden. Durch den Blick auf die Gleise bleibt die Geschichte des Ortes für die Öffentlichkeit erhalten. Eine üppige Bepflanzung der Gleisbetten und ein parkähnlich gestalteter Eingangsbereich sind weitere Merkmale, die die Angestellten am Haupteingang empfangen. Die vielen Grünflächen sollen auf die Liebe der New Yorker zu ihren Parks anspielen. Überhaupt ziehen sich Bezüge auf den Big Apple durch den gesamten Gebäudeentwurf. Beispielsweise greift die Gestaltung der Innenräume an einigen Stellen das typische Gelb der New Yorker Taxis auf. Und der Bodenbelag im Erdgeschoss zeichnet die ursprüngliche Küstenlinie Manhattans nach, die einst dort verlief, wo heute das Gebäude steht.

Auch für die perforierten Bereiche wurde das vorbewitterte QUARTZ-ZINC eingesetzt

Das Team aus der Nachbarschaft

Aufgrund der großen räumlichen Ausdehnung sind die Architekten wie Stadtplaner an das Projekt herangegangen und haben das Gebäude mit langen und breiten Passagen erschlossen.
Für die Innenarchitektur zeichnet das Architekturbüro Gensler verantwortlich. Es hat Arbeitsplätze für Teams statt für Einzelpersonen entworfen. Sie sollen Austausch und Zusammenarbeit fördern. Zu diesem Zweck wurde ein Großteil der Büroflächen in 60 sogenannte „Nachbarschaften“ aufgeteilt. Sie werden je nach Bedarf den einzelnen Teams zugewiesen, die aus 20 bis 50 Personen bestehen. Die Teams können die Gestaltung ihrer Nachbarschaft flexibel beeinflussen. Die Raumstrukturen und das Mobiliar sind so anpassungsfähig, dass die Teams die Aufteilung und Anordnung der Arbeitsplätze nach den eigenen Wünschen gestalten können. Neben offenen Arbeits- und Kommunikationsflächen stehen jedem Team auch geschlossene Besprechungsräume zur Verfügung, die sich ebenfalls variabel unterteilen lassen. Das Konzept basiert auf Studien zu modernen Arbeitsmustern und soll dabei helfen, schneller und effizienter zu arbeiten und kreative Problemlösungen zu fördern. Unabhängig von den „Nachbarschaften“ gibt es im Gebäude auch ungebundene Arbeitsplätze, die das Gefühl vermitteln sollen, sich in einer Bibliothek oder einem Coffee-Shop zu befinden. Zu diesem Gefühl tragen nicht nur die begrünten Terrassen bei, sondern auch zahlreiche Ruhezonen, Lounges, Cafés und Mikroküchen, die über das gesamte Gebäude verteilt sind.

Zink passt ins Konzept

Oberhalb der Büroebenen befindet sich ein fensterloser Bereich, hinter dem sich die umfangreiche Haustechnik des Google-Gebäudes verbirgt. Dieser Bereich der Außenhülle setzt ganz auf VMZINC. Dafür hat die amerikanische Firma Morin die hauseigenen SymmeTry-Elemente aus vorbewittertem QUARTZ-ZINC hergestellt, die dann durch die Dach- und Fassadenbauer von The Jobin Organisation so verlegt wurden, dass sie optisch an eine Winkelstehfalzdeckung erinnern. Die gleichen QUARTZ-ZINC-Elemente wurden zusätzlich in perforierter Form eingesetzt, um eine höhere Luftzirkulation in Bereichen zu ermöglichen, in denen dies technisch erforderlich war. Für die perforierten Elemente bietet Zink einen zusätzlichen Vorteil. Denn unter Witterungseinfluss bildet sich eine Patina, die das Material schützt und dafür sorgt, dass Zink kleinere Beschädigungen selbst heilen kann. Damit sorgt die Patina auch dafür, dass die Löcher der Perforierung nicht zu Schwachstellen in der Oberfläche der Elemente werden. Sowohl die regulären als auch die perforierten SymmeTry-Paneele wurden in vertikaler Ausrichtung montiert und folgen einem festen Muster. Dieses Muster entsteht durch eine versetzte Anordnung von Elementen unterschiedlicher Länge, die sich in regelmäßigen Abständen horizontal wiederholt.

In die Dachuntersichten, die den gebäudenahen Bereich der Terrassen verschatten, ist ebenfalls ein Streifen aus QUARTZ-ZINC integriert. Auch hier kam mit Matrix MX-6 ein Produkt von Morin zum Einsatz, welches das Unternehmen für das Google-Gebäude aus dem Material Zink gefertigt hat. Es erinnert an die bei uns erhältlichen Kassettensysteme. Obwohl Zink nur kleine Bereiche des riesigen Gebäudes bekleidet, wurden insgesamt 5.000 m² QUARTZ-ZINC verbaut. Nicht zuletzt, weil Zink als ökologischer, langlebiger und nahezu wartungsfreier Werkstoff perfekt in das zertifizierte Nachhaltigkeitskonzept des Gebäudes passt.

In die Dachuntersichten ist ebenfalls ein Streifen QUARTZ-ZINC integriert

Guido Wollenberg

Bildrechte: Joseph Lombardi

Kommentar verfassen