Das umfangreiche Hotelangebot in Paris macht es schwer, Übernachtungsgäste noch mit neuen Ideen zu begeistern. Doch genau das ist dem Hotel La Fantaisie in der Rue Cadet gelungen. Es liegt in einer engen Seitengasse des belebten 9. Pariser Arrondissements und positioniert sich mit einer grünen Zinkfassade und vielen Pflanzen als Rückzugsort inmitten der umtriebigen Großstadt. Gleichzeitig bilden diese grünen Akzente auch eine Anspielung auf die Geschichte des Standorts. Früher wurde die kleine Straße von Gemüsegärten und Gewächshäusern gesäumt, deren Produkte für den königlichen Hof bestimmt waren. Sogar ihren Namen verdankt die Straße einer Gärtnerfamilie. Bereits im 16. Jahrhundert sollen die Cadets im Dienste König Karls IX. gestanden haben.
Frischer Blick auf alte Mauern
Das 9. Arrondissement zählt zu den am dichtesten besiedelten Pariser Bezirken und weist gleichzeitig die wenigsten Grünflächen auf. Das Architekturbüro Petitdidierprioux Architectes tritt diesem Mangel mit seinem Entwurf für das Hotel bewusst entgegen und räumt dem Grün in Form von Pflanzen und einer grünen Zinkfassade einen hohen Stellenwert ein. Dabei ist La Fantaisie kein kompletter Neubau. Es basiert auf dem Umbau eines bestehenden Hotels aus dem späten 20. Jahrhundert. Das alte Hotel fügte sich eher schlecht in den Bestand ein. Das Gebäude wies Brüche im Baustil und in den Proportionen auf. Die Fassade wirkte fragmentiert und einige Bereiche traten deutlich hinter die Linie der sonst eher geschlossenen Gebäudefronten des Umfelds zurück. Auch die großflächigen, glatten Putzflächen passten nicht in das übrige Straßenbild.

Nachhaltiger Umgang mit dem Bestand
Petitdidierprioux Architectes sind mit dem Ziel angetreten, so viel wie möglich von der bestehenden Bausubstanz zu erhalten und gleichzeitig die schlecht gealterte Architektur zu ersetzen. Es ist ihnen gelungen, rund 80 Prozent der Bestandsstruktur zu bewahren. Jeder Eingriff wurde sorgfältig in Hinblick auf Nachhaltigkeit und einen schonenden Umgang mit den Ressourcen geprüft. Das Hotel La Fantaisie besitzt nun eine komplett neue Fassade, die sich weit stimmiger in den Straßenzug einfügt und dabei Details der Fassadengliederung der Nachbargebäude in abstrakter Form aufgreift.

Aufstockung eröffnet Blick über die Pariser Dächer
Ein wesentliche Aufgabe des Umbaus war die Verdichtung des Gebäudes. Dies wurde unter anderem durch eine Aufstockung um drei Staffelgeschosse erreicht. Die Rücksprünge dieser neuen Dachgeschosse bieten zusätzlichen Raum für begrünte Terrassenflächen und eine Bar mit Dachterrasse. Letztere thront ganz oben auf dem Gebäude und lädt zu einem Blick über die Dächer von Paris ein. Das erneuerte Hotel verfügt nun insgesamt über 73 Zimmer und Penthouse-Suiten. Die Gäste können zwischen einem Restaurant und einem Café im Erdgeschoss und der Rooftop-Bar wählen. Eine ehemalige Tiefgarage wurde in einen Wellnessbereich umgewandelt.

Fenster in die Vergangenheit
Die umfassende Erneuerung zeigt sich auch im Inneren. Die Gästezimmer wurden vergrößert und die Raumaufteilung überarbeitet, so dass alle Zimmer nun einen großzügigen Blick zur Straße oder zum Garten im Hof bieten. Die völlig neu gestalteten Fassaden an der Vorder- und Rückseite enthüllen die einfache geometrische Aufteilung der Zimmer und verhelfen diesen zu raumhohen und fast raumbreiten Fensterfronten. Die großen Fenster kompensieren den geringeren Lichteinfall auf der Vorderseite, der sich aufgrund der engen Straße besonders in den unteren Geschossen bemerkbar macht. Gleichzeitig sollen die Fenster mit dünnen Stahlrahmen an die Gewächshäuser vergangener Zeiten erinnern. Zur Straße hin schützen schmale Balkone mit dunklen Geländern und großen Topfpflanzen die Gäste vor neugierigen Blicken.

Raus aus dem Trubel
Auch die Aufenthaltsqualität außerhalb der Zimmer hat sich verbessert. Das Erdgeschoss ist nun deutlicher als Übergangsbereich gestaltet, der von der belebten Stadt in einen geschützten Erholungsraum führt. Auf der Rückseite des Hotels bietet ein großer wintergartenartiger Anbau den Blick in einen Garten. Das große Glasdach dieses Anbaus erstreckt sich über die gesamte Breite des Grundstücks und vermittelt das Gefühl, in eine idyllische Landschaft abseits vom Trubel der Stadt einzutauchen.

Variantenreich
Die Fenster mit ihren dunklen Rahmen werden von Zinkelementen in der vorbewitterten VMZINC-Oberfläche PIGMENTO grün eingefasst. Dabei wurden zwei verschiedene Systeme verwendet, die unterschiedliche optische Akzente setzen. In den unteren Stockwerken finden sich ober- und unterhalb der Fenster maßgefertigte Fassadenprofile mit einem gleichmäßigen, feingliedrigen Profil. In den übrigen Bereichen wurde das französische VMZINC-Kassettensystem ISOPLI eingesetzt. Es findet sich zwischen den Fenstern, an den Innenseiten der Balkone und an den Außenflächen der Staffelgeschosse. ISOPLI zeichnet sich durch sehr plane Zinkkassetten aus, die dank eines speziellen Befestigungssystems einfach austauschbar sind und sich sowohl für eine horizontale als auch für eine vertikale Installation eignen.
Kassetten im Doppelpack
Die ISOPLI-Kassetten erfüllen noch eine besondere Aufgabe: Sie sorgen auf der Straßenseite für eine vertikale Gliederung der unteren fünf Geschosse. Zwischen den Fenstern umschließen jeweils zwei geschosshohe, plane Kassetten einen zurückgesetzten Streifen aus Fassadenprofilen. Die beiden Kassettenelemente greifen so die doppelte Säulenstruktur an der Fassade eines Nachbargebäudes in etwas abstrahierter Form wieder auf.

Gelungene Integration
Insgesamt wurden ca. 1.100 m² PIGMENTO grün an der Fassade verbaut. Petitdidierprioux Architectes wählten Zink sowohl aus ästhetischen als auch aus symbolischen Gründen. Denn Zink ist ein Material, das tief in der Pariser Architekturgeschichte verwurzelt ist. Seit Jahrhunderten wird es für die Eindeckung der Dächer und die Ausführung von Ornamenten genutzt. Bis heute ist Zink das prägende Material in der Pariser Dachlandschaft geblieben. Das Hôtel La Fantaisie zeigt, dass Zink seine Stärken nicht nur auf dem Dach ausspielen kann. Das vorbewitterte, grüne PIGMENTO an der Fassade und die üppige Bepflanzung schlagen eine Brücke von den alten Dächern und dem Gemüseanbau in der historischen Rue Cadet zu einem frischen, zeitgemäßen Erscheinungsbild. Nach seinem Umbau integriert sich das neue Hotel wesentlich besser in das Straßenbild als sein Vorgänger.

Guido Wollenberg
Bildrechte: Sergio Grazia