Als Austragungsort für eines der vier Grand-Slam-Turniere ist Wimbledon weltweit bekannt. Doch auch abseits des hochdotierten Tennisspektakels investiert der Stadtteil im Südwesten Londons in sportliche Aktivitäten. Die King’s College School hat für ihre Schülerinnen und Schüler ein neues Sportzentrum gebaut, das außerhalb der Unterrichtszeiten der Tagesschule auch den Mitgliedern des King’s Club und den Anwohnern zur Verfügung steht. Auf dem Schulgelände finden sich natürlich die für Wimbledon obligatorischen Tennisplätze, doch das King’s College School Sports Centre beherbergt andere Sportarten. Mit einem Mix aus Neu- und Umbaumaßnahmen fasst es einige Sportstätten auf dem Schulgelände, die bisher verbindungslos nebeneinander standen, nun zu einem Gesamtkomplex zusammen. Alle Angebote sind damit über einen zentralen Eingang erreichbar.

Sport an Land und im Wasser
Das von David Morley Architects entworfene Sportzentrum besteht aus drei Gebäudeteilen mit einer Innenfläche von 3.545 m². In einem zentralen, zweigeschossigen Bereich sind der Empfang und die Umkleideräume untergebracht. Zusätzlich finden sich hier ein Fitness- und ein Aerobic-Studio sowie weitere Trainingsräume. An das zentrale Gebäude schließt sich auf der einen Seite eine modular aufgebaute Multisporthalle und auf der anderen Seite ein 25 Meter langes Hallenbad mit sechs Bahnen an.
Bewegung mit Durchblick
David Morley Architects haben eine enge visuelle Verbindung zwischen Innen und Außen geschaffen. Ein direkter Einblick in Schwimmbad, Fitnessstudio und Sporthalle soll die Schülerinnen und Schüler auf dem Schulgelände dazu motivieren, sich ebenfalls den körperlichen Aktivitäten zu widmen. Zu diesem Zweck wurden die Fassaden des Schwimmbads auf drei Seiten großzügig verglast. Zudem befindet sich der Wasserspiegel des Schwimmbeckens auf dem Bodenniveau des zentralen Zugangsbereichs, so dass der Blick auf das Treiben im Inneren besonders nahtlos ausfällt. Mit großen Fenstern in der Turnhalle und im Fitnessstudio setzt sich die Transparenz auch in den anderen Bereichen fort. Im oberen Stockwerk des Hauptgebäudes gibt es ebenfalls viel Glas und von der Rezeption aus hat man auch von Innen einen Blick in das Schwimmbad und in die Multisporthalle.

Bestandsschutz
Der untere Bereich des Hauptgebäudes und ein Teil der Fassaden der Multisporthalle setzen dann allerdings auf eine Backsteinfassade. Dabei orientieren sich die Steine in Farbe und Format an den umgebenden Gartenmauern sowie an den historischen Gebäuden der King’s College School und der unmittelbaren Umgebung im Stadtteil West Wimbledon. Viele dieser Gebäude stehen unter Denkmalschutz und David Morley Architects legten Wert darauf, hier eine stimmige Anbindung an den Bestand zu erzielen.

Dach mit Wellengang
Die Dachflächen des gesamten Gebäudekomplexes sind mit QUARTZ-ZINC in Stehfalztechnik eingedeckt. Das integrierte Schwimmbad sticht hier besonders hervor. Denn über dem Bad läuft die Dachlinie in einer markanten Wellenform aus. Eine geneigte Grünfläche mitten auf dem Dach ist in die Welle aus Zink integriert und verstärkt den Bezug zum angrenzenden Baumbestand auf dem Grundstück der Schule.

Verstärkter Schutz
VMZINC QUARTZ-ZINC wurde bei der King’s College School nicht nur auf den Dächern verwendet. An einigen Stellen, insbesondere um die wellenförmigen Außenseiten des Schwimmbads herum, ist ein deutlicher Dachüberstand zu erkennen. Hier kam Zink auch als Bekleidung der Untersichten zum Einsatz. Oben wie unten wurden zusammen rund 1000 m² QUARTZ-ZINC in Stehfalztechnik verlegt. Der verarbeitende Betrieb All Metal Roofing Ltd. wählte für das Dach 0,7 mm starkes Zink und für die Untersichten eine 0,8 mm starke Ausführung. In beiden Fällen kam QUARTZ-ZINC Plus zum Einsatz, eine Variante, die durch eine zusätzliche Schicht auf der Unterseite erhöhten Schutz gegen die Folgen von Kondensatbildung bietet.
Freie Sicht auf die Welle
Auffälligster Part der Dachlandschaft sind die geschwungenen Dachseiten des Schwimmbads, die mit ihrer Form auf die Wellen der Wasseroberfläche im Inneren anspielen. Der Dachbereich ist so gestaltet, dass diese Wellenform aus Zink vom restlichen Schulgelände gut eingesehen werden kann. Das gleiche gilt auch für die geneigte Begrünung auf dem Schwimmbaddach, die von Zinkwellen eingefasst wird. Aufgrund des starken Gefälles verfügt sie über ein Rückhaltesystem, das einem Abrutschen von Erde und Pflanzen entgegenwirkt.

Warmes Wasser aus eigener Kraft
Energetisch folgt das Projekt mit einer energieeffizienten Bauweise aktuellen Standards. Dabei werden rund 15 Prozent des Energiebedarfs direkt vor Ort erzeugt. Hierbei kommt unter anderem eine Photovoltaikanlage auf dem Dach der Sporthalle zum Einsatz. Das Wasser des Schwimmbads kann ganzjährig mit der eigenständig erzeugten Energie geheizt werden.

Transparenz als Motivationsschub
Die King’s College School hat in den vergangenen Jahren mehr als 50 Millionen Pfund (rund 58 Millionen Euro) in die Verbesserung der Lehr- und Lerneinrichtungen investiert. Nicht zuletzt, um die stetig ansteigende Anzahl von mittlerweile über 1.400 Schülerinnen und Schülern weiterhin gut unterrichten zu können. Das Sportzentrum bildet den Abschluss und den letzten Teil des Puzzles. Dabei betrachtet die Schule die sportlichen Aktivitäten als sehr wichtigen Bestandteil der Ausbildung. David Morley Architects tragen diesem Gedanken mit ihrem Entwurf besonders Rechnung. Transparenz zieht sich als bedeutendes Thema durch die neuen Gebäude und soll die Schülerinnen und Schüler dazu motivieren, die neuen Einrichtungen regelmäßig und intensiv zu nutzen.

Guido Wollenberg
Bildrechte: Paul Kozlowski