Im Dezember prägen die Weihnachtsmärkte mit ihren stimmungsvoll beleuchteten Ständen und Hütten wieder das Bild vieler deutscher Innenstädte. Doch Märkte gibt es in den unterschiedlichsten Formen. Außerhalb der winterlichen Festtage sind Wochenmärkte mit mobilen Ständen ein gewohnter Anblick. Daneben gibt es auch noch die großen Markthallen, in denen ohne Pause Waren gehandelt werden. Der neue städtische Markt in der kleinen portugiesischen Ortschaft Vila Nova de Foz Côa beschreitet einen etwas anderen Weg.

Zentraler Einblick
Der Markt besteht aus fünf Gebäuden, die auf einer rechteckigen Grundfläche fest angeordnet sind. Die Größe der Gebäude variiert, orientiert sich aber eher an kleinen Einzelhandelsgeschäften als an typischen Marktständen. Zwei der Gebäude greifen die Bauweise der umliegenden Wohnhäuser auf, die anderen drei besitzen Dächer und Fassaden aus Zink. Das Architekturbüro ADVD Atelier Arquitectura, verantwortlich für die Planung und Umsetzung des Projektes, erschließt das Ensemble mit einer zentralen Sichtachse, die geradewegs auf den Haupteingang des größten Gebäudes zuläuft. Trotz dieser repräsentativen Sicht- und Wegführung bleibt der Marktbereich jedoch von drei Seiten frei zugänglich. Auf der vierten Seite schließt sich das Hauptgebäude an die bestehende Bebauung an.

Doppeltes Welterbe
Das Hauptgebäude hat als einziges zwei Stockwerke, wobei das Obergeschoss den sanitären Einrichtungen und Umkleideräumen für das Personal vorbehalten bleibt. Im Erdgeschoss befinden sich über alle Gebäude verteilt insgesamt 14 Verkaufsbereiche, in denen hauptsächlich regionale Produkte angeboten werden. Dabei soll der Markt die Verbindung zwischen den landwirtschaftlichen Erzeugnissen der Region und den wirtschaftlichen und kulturellen Besonderheiten der Stadt hervorheben. Denn Villa Nova de Foz Côa ist nicht nur Teil der von der UNESCO zum Welterbe erklärten Weinbauregion Alto Douro, sondern gleichzeitig der Ausgangspunkt für Besichtigungen eines weiteren UNESCO Welterbes.

Verbindung zur Vergangenheit
In der Nähe der Stadt liegt eine archäologische Fundstätte. Auf einer Länge von 17 Kilometern finden sich Felswände mit unzähligen Petroglyphen, also in den Stein geritzten Tierbildern, deren Alter teilweise auf über 25.000 Jahre geschätzt wird. Fast wirken sie wie eine steinzeitliche Kunstgalerie. Der neue städtische Markt soll durch seine kunstvolle Gestaltung eine Verbindung zwischen diesem Erbe der Vergangenheit und den Erzeugnissen der Gegenwart schaffen.

Es geht sanft aufwärts
Zwei der Marktgebäude sind mit einem weißen Putz und roten Dachschindeln versehen und binden den Markt in die Stadtbebauung ein. Die restlichen Gebäude heben sich dafür umso deutlicher ab. Sie bilden eine Mischung aus Zink, Glas und Beton. Die beiden Dächer der kleineren Zinkvolumen integrieren schräge Flächen, die bis auf die Höhe des doppelstöckigen Hauptgebäudes führen und so einen starken Sprung zwischen den Dachlinien vermeiden. Dächer und Fassaden gehen an manchen Bereichen direkt ineinander über und erinnern dann fast an gespannte Zeltplanen. An anderen Stellen kragen die Dächer jedoch weit über die Fassaden hinaus.

Nächtliche Schattenwürfe
Insgesamt umfasst die mit Zink bekleidete Außenhülle eine Fläche von 1.950 m². Zum Einsatz kam hier durchgehend die VMZINC-Oberfläche PIGMENTO blau. Diese findet sich auch an den großzügigen Dachuntersichten wieder, welche über die verglasten Fensterflächen hinausragen. Verlegt wurde das Zinkblech auf den Dächern, an den Fassaden und an den Untersichten in Stehfalztechnik. Dabei verlaufen die Falze an den Fassaden in horizontaler Richtung. Besonders bei Dunkelheit, wenn das Licht der in den Boden eingelassenen Leuchten von unten an die Wände strahlt, entstehen hier ausgeprägte Licht- und Schattenwürfe.

Impulse für den Nachwuchs
Der besondere Markt ist dank seiner Architektur für die inmitten zweier UNESCO Welterbestätten liegende Stadt schon zu einem Wahrzeichen geworden. Nun soll er auch dem regionalen Handel neue Impulse verleihen. Mit einer Besonderheit möchte Villa Nova de Foz Côa den Markt dabei gerade für junge Menschen attraktiv gestalten: Händlerinnen und Händler unter 35 Jahren erhalten besonders günstige Konditionen, wenn sie einen Stand auf dem Markt betreiben.

Guido Wollenberg
Bildrechte: Paul Kozlowski